Bio ist in – daran dürfte kaum ein Zweifel bestehen. Der Trend zieht sich von extra Bio-Supermärkten bis in die Regale der Discounter. Mit dem idyllischen Bauernhof mit glücklichen Kühen auf der Weide oder Käse direkt von einem urigen Bergbauern hat Bio aber nicht viel zu tun. Und dennoch ist genau das das Bild, das sich in mehr oder minder ausgeprägter Form in den Köpfen vieler Verbraucher festgesetzt. Unterstützt wird dieses Bild von der Werbung. Es wird Zeit, diesen Mythos aufzulösen.


Bio ist keine Idylle

Die idyllischen Bilder, die sich aus der Werbung direkt in der Vorstellung der Verbraucher festsetzen, entspricht nicht der Wirklichkeit. Rational betrachtet wissen wir das im Grunde auch, allerdings wird es gerne verdrängt. In Wirklichkeit hat das Bio-Label nichts darüber aus, ob die Produkte aus regionaler Produktion oder aus China stammen, ob sie zu wirtschaftlich fairen Bedingungen produziert wurden oder ob der Erzeuger sich für Nachhaltigkeit und landwirtschaftliche Vielfalt einsetze. „Bio ist eine gute Grundlage. Es schafft bei Lebensmitteln Sicherheit durch hohe Standards. Und es steht ein strenges Kontrollsystem dahinter. Bio ist viel besser als die konventionelle Landwirtschaft, aber es ist nicht die heile Welt“, so der Agraringenieur Stephan Illi, der sieben Jahre lang im Vorstand des Bioerzeugerverbands Demeter saß.


Überraschend ist, dass nicht nur Verbraucher eine verklärte Vorstellung davon haben, was hinter dem Label „Bio“ steckt. Auch Händler reagieren regelmäßig überrascht, wenn sie von den Verhältnissen auf den entsprechenden Höfen erfahren. Wir haben uns im Kopf eine heile Bio-Welt geschaffen. In Wirklichkeit hat der Bio-Trend jedoch konkrete Auswirkungen auf die Produzenten: Er erschafft Preisdruck – was zu negativen Entwicklungen führt. Die Mehrheit der Verbraucher geht beispielsweise davon aus, dass Bio-Kühe mindestens 150 Tage im Jahr auf einer Weide verbringen. In Wirklichkeit erhält etwa 50 Prozent des in die Bio-Milchproduktion eingebundenen Viehs überhaupt keinen Weidegang. Aber immerhin erhalten die Kühe besseres Futter als „normale“ Kühe.

Preisdruck gibt Motive für Betrug

Der Preisdruck auf die Produzenten wird dadurch verstärkt, dass sich der Bio-Trend inzwischen auch auf die Discounter erweitert hat. Die vergleichsweise günstigen Bio-Produkte aus dem Discounter erfordern auch günstige Rohstoffe, sonst können sie nicht wirtschaftlich sinnvoll hergestellt werden. So wird inzwischen Weizen häufig aus Osteuropa und Kasachstan importiert. Lange Importwege öffnen Tür und Tor für Betrüger, die etwa konventionell erzeugtes Getreide auf verschlungenen Wegen so umdeklarieren können, dass es als Biogetreide in Deutschland ankommt. Branchenexperten befürchten, dass die deutschen Kontrollbehörden Hinweisen auf Biobetrug nicht sonderlich konsequent nachgehen. Sie fordern regelmäßige Stichprobenkontrollen. Das momentan aktive Kontrollsystem setzt vor allem auf strenge Zollkontrollen und ist nach Einschätzung von Experten nicht sicher genug.

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