In Deutschland und Österreich ist die Liebe zu großen Bargeldscheinen offensichtlich besonders weit verbreitet. Denn während in den anderen Ländern der Euro-Zone schon seit Januar keine neuen 500-Euro-Scheine mehr ausgegeben werden, erhielten die beiden deutschsprachigen Länder noch einen Aufschub. Der Grund: Weil hierzulande besonders viele der großen Scheine herausgegeben werden, ist auch der logistische Aufwand zur Ersatzbeschaffung vergleichsweise groß. Nun endet aber die letzte Gnadenfrist: Ab Freitag werden hierzulande keine 500-Euro-Scheine mehr ausgegeben. Sorgen muss sich deswegen aber niemand machen. Denn die Scheine bleiben weiterhin ein gültiges Zahlungsmittel und können unbegrenzt umgetauscht werden. Die Europäische Zentralbank geht davon aus, dass sich im März noch 509 Millionen 500-Euro-Banknoten im Umlauf befanden.


Der Sinn der Maßnahme ist unter Experten umstritten

Warum aber werden keine neuen Scheine mehr ausgegeben? Befürworter erhoffen sich dadurch einen Rückgang von Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit. Die Idee dahinter: Hohe Bargeldtransaktionen werden erschwert, wenn weniger große Scheine zur Verfügung stehen. Ausgerechnet die Deutsche Bundesbank sieht dies aber skeptisch. Die Experten dort verweisen darauf, dass sich ein solcher Effekt empirisch bisher nicht nachweisen ließ. Dennoch entschied sich die EZB im Mai 2016 für die Abschaffung der 500-Euro-Scheine. Diese Entscheidung wird nun umgesetzt. Einen deutlich drastischeren Weg wählte vor einiger Zeit die indische Regierung. Dort wurden die alten Bargeld-Scheine quasi über Nacht für ungültig erklärt und durch neue Noten ersetzt. Auch hier war das Ziel, den Schwarzmarkt auszutrocknen.


Das Bargeld bleibt uns weiterhin erhalten

Die Aktion gilt inzwischen aber als wenig erfolgreich. Denn sie produzierte vor allem Chaos und Verwirrung, während der Schwarzmarkt auch weiterhin blüht. Unklar ist zudem, wie groß der Anteil der Schattenwirtschaft in Europa überhaupt ist. Schätzungen für Deutschland gehen von einem Wert zwischen zwei und siebzehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Alleine diese weite Spanne zeigt schon, dass sich das Problem von Natur aus nur schwer erfassen lässt. Dementsprechend schwierig dürfte es auch werden, die Wirksamkeit der Abschaffung des 500-Euro-Scheins zu evaluieren. Eins haben die Zentralbanker allerdings versprochen: Die Abschaffung des Bargelds insgesamt ist aktuell keine Option im Kampf gegen Schwarzarbeit und Terrorfinanzierung.

Via: WAZ

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Björn

    26. April 2019 at 06:32

    Dann werden halt Nuka-Cola-Kronkorken zur Bezahlung genommen…
    Und ganz klar ist, dass es der erste Schritt auf dem Weg der Bargeldabschaffung ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.