Folgt man den Zahlen des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung sind in Deutschland 62 Prozent der volljährigen Männer übergewichtig. Bei den Frauen (47 Prozent) und Kindern (15 Prozent) liegen die Werte zwar etwas niedriger, sind aber dennoch bedenklich. Viele Experten führen dies unter anderem auf Fertiggerichte zurück, die in der Regel viel Zucker enthalten. Schon im vergangenen Jahr kündigte die zuständige Ministerin Julia Klöckner (CDU) daher eine „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie“ an. Diese sieht allerdings keine strengen gesetzlichen Vorgaben vor, sondern setzt auf freiwillige Vereinbarungen mit den betroffenen Industrieverbänden. Nun konnte die Ministerin erste Erfolge verkünden. So gibt es inzwischen eine Übereinkunft mit insgesamt acht Verbänden. Diese beinhalten in der Regel die Reduktion von Zucker oder Salz in den Rezepturen.


„Cuboid sugar“ von Carioca – Self-published work by Carioca. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cuboid_sugar.jpg#/media/File:Cuboid_sugar.jpg

Eine Datenbank mit tausenden Produkten wurde bereits aufgebaut

So soll der Zuckergehalt bei Frühstückscerealien für Kinder bis zum Jahr 2025 um zwanzig Prozent sinken. Auch in Limonaden, Cola und zuckerhaltigen Fruchtgetränken soll eine Reduktion erreicht werden. Bei Fertigpizzen wiederum verpflichten sich die Hersteller, zukünftig weniger Salz zu verwenden. Allerdings wurde auch hier eine mehrjährige Übergangsfrist festgelegt. Dies geschah, um die Rezepturen nach und nach anpassen zu können. Das bundeseigene Max-Rubner-Institut soll allerdings bereits im März nächsten Jahres eine erste Bilanz ziehen, um aufzuzeigen, ob die Entwicklung in die richtige Richtung verläuft. Als Basiswert für die versprochenen Reduktionen dienen dabei die Daten aus dem Jahr 2016. Die Experten des Instituts haben daher bereits eine Datenbank mit dem Energie- und Nährstoffgehalt von tausenden Fertigprodukten aufgebaut.

Zucker-Ersatzstoffe stehen teilweise ebenfalls in der Kritik

Allerdings wird die Initiative nicht ausschließlich positiv bewertet. So sehen viele Mediziner und Verbraucherschützer den Weg der freiwilligen Vereinbarungen eher kritisch. Sie fordern stattdessen klare gesetzliche Regelungen. Außerdem fordern Aktivisten Maßnahmen, wie man sie beispielsweise von der Zigarettenindustrie kennt – etwa Werbeverbote und Sondersteuern. Hinzu kommt: Die Konzentration rein auf Salz und Zucker könnte zu kurz greifen. Denn noch ist bei vielen Ersatzprodukten unklar, ob diese wirklich gesünder sind. So gibt es beispielsweise bei Isoglukose den Verdacht, dass der Stoff Diabetes befördert. Die Grünen fordern daher, die Forschung in diesem Bereich deutlich zu verstärken. Noch bleibt daher abzuwarten, ob die Initiative des Ernährungsministeriums tatsächlichen die erwünschten Erfolge mit sich bringen wird.


Via: Handelsblatt

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