Die Concorde wurde zwar als „Königin der Lüfte“ bezeichnet, durfte viele Länder aber gar nicht überfliegen. Der Grund: Die Maschine verursachte schlicht zu viel Lärm. Die meisten Routen führten daher zum Großteil über das Meer – etwa von London oder Paris nach New York und wieder zurück. Heute arbeiten zahlreiche Unternehmen an neuen Überschallflugzeugen. Auch hier ist aber klar: Ein wirtschaftlich erfolgreicher Betrieb ist nur möglich, wenn die Lärmproblematik gelöst werden kann. Das US-Unternehmen Lockheed Martin kooperiert daher seit einiger Zeit mit der NASA, um Technologien zu entwickeln, die einen leisen Überschallflug ermöglichen. Bisher beschränkte sich die Kooperation auf Design-Entwürfe am Computer und Windkanaltests. Nun aber soll ein erster Prototyp namens „X-59 Quiet Supersonic Technology (QueSST)“ gebaut werden.


So könnte der Überschalljet später einmal aussehen. Illustration: NASA / Lockheed Martin

Die Lautstärke soll einer zufallenden Autotür entsprechen

Der Jungfernflug des neuen Flugzeugs ist aktuell für das Jahr 2021 geplant. Allerdings ist es in der Luftfahrtbranche nicht unüblich, dass es bei der erstmaligen Produktion noch zu Verzögerungen kommt. Die Daten des neuen Überschallflugzeugs lesen sich in jedem Fall beeindruckend: Auf einer Höhe von 17.000 Metern soll eine Geschwindigkeit von Mach 1,27 erreicht werden. Dies wären in etwa 1.512 Stundenkilometer. Die Besonderheit: Die Lautstärke auf der Erde soll lediglich einer zufallenden Autotür entsprechen. Die Hoffnung der Ingenieure ist, dass auf diese Weise die Lärmbelästigung für die Bevölkerung auf ein erträgliches Maß reduziert werden kann. Noch muss der Prototyp aber erst einmal unter Beweis stellen, dass er die Ankündigungen tatsächlich erfüllen kann. Deshalb will die NASA während der Testflüge zahlreiche Daten an Bord der Maschine und auf dem Boden messen.

Mehrere Unternehmen arbeiten an neuen Überschallflugzeugen

Diese könnten dann auch genutzt werden, um die strengen US-Vorschriften in Sachen Überschallflugzeuge zu überarbeiten. Diese stammen in der Regel noch aus den 1960er Jahren und werden oftmals als eher hinderlich für die Entwicklung neuer Flugzeuge in diesem Bereich angesehen. Letztlich soll aus dem Prototyp dann natürlich ein kommerzielles Produkt werden. Die Konkurrenz in der Branche ist allerdings hoch. Denn neben den beiden Partnern NASA und Lockheed Martin arbeiten unter anderem auch Boeing und das Startup Boom an neuen Überschallfliegern. Auch diese beiden Unternehmen dürften allerdings vor der Herausforderung stehen, den Fluglärm auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Bis die ersten Überschallflüge im Linienbetrieb wieder gebucht werden können, dürfte also noch etwas Zeit vergehen. Der Bau eines Prototyps stellt aber schon einmal einen wichtigen Meilenstein dar.


Via: New Atlas

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