Drohnen sind voll im Trend. Neben einem inzwischen florierenden Geschäft mit Drohnen als Freizeitspaß für Verbraucher werden die kleinen Flugobjekte auch vermehr als Paketlieferanten getestet, spüren Landminen auf oder kontrollieren Pipelines. Allerdings müssen die ferngesteuerten oder autonomen Drohnen sich den Luftraum mit allen anderen Fluggeräten teilen – darunter auch Flugzeuge. Ein Team von Forschern der University of Dayton hat nun experimentell gezeigt, welche Schäden eine Drohne bei der Kollision mit einem Flugzeug verursachen kann. Das Ergebnis war durchaus erschreckend: In extremen Fällen kann die Kollision mit einer Drohne sogar zum Absturz einer großen Passagiermaschine führen.


Bild: University of Dayton

Drohnen: Gefahr im Kleinformat

Das Szenario an sich ist gar nicht so abwegig. Zwar fliegen Passagierflugzeuge und Drohnen grundsätzlich in völlig unterschiedlichen Höhenbändern, aber insbesondere in den Einflugschneisen von Flughäfen kam es bereits zu gefährlichen Near-miss-Situationen. Der erste ernsthafte Zwischenfall ist daher nur eine Frage der Zeit.

Was genau dann passieren würde, ist schwer zu sagen. „ s gibt bisher kaum Daten darüber, welchen Schaden eine Drohne anrichten würde und die wenigen Informationen dazu stammen meist aus Modellen und Simulationen. Drohnen wiegen aber ähnlich viel wie manche Vögel und wir wissen, welche Schäden eine Vogelkollision anrichten kann„, so Kevin Poormon von der University of Dayton.


Die Forscher wollten sich nicht mehr auf reine Simulationen verlassen und schossen daher in einer Testhalle mit einer Spezialkanone einen etwa ein Kilogramm schwere Drohne auf den Flügel eines Kleinflugzeugs ab. Der Aufprall entsprach etwa einer Fluggeschwindigkeit des Flugzeugs von 380 km/h. Zum Vergleich führten die Forscher den Versuch auch mit einer gleich schweren Gel-Attrappe eines Vogels durch.

Nach der Kollision mit der Drohne konnten die Forscher zunächst nur oberflächliche Schäden am Flügel erkennen. Doch im Inneren zeigte sich, dass die Folgen verheerend waren: „ Die Phantom-Drohne drang viel tiefer in den Flügel ein und beschädigte den Hauptträger, was beim Vogel nicht der Fall war. Das gesamte Gesicht des Flugzeugs hängt an diesen Trägern. Wenn man einen davon genügend beschädigt, würde das Flugzeug abstürzen„, so Poormon. Die Flügel eines großen Passagierflugzeuges sind ähnlich aufgebaut und haben nur unwesentlich dickere Wände.

Sollbruchstelle für Drohnen?

Auch wenn eine Drohne im Vergleich zu einem Passagierflugzeug nur klein ist, kann sie also scheinbar erhebliche Schäden verursachen. Und da sind Szenarien wie das Einsaugen einer Drohne durch ein Triebwerk bzw. der Zusammenstoß mit einer Cockpit-Scheibe oder eine Kollision mit einer deutlich schwereren Drohne noch nicht betrachtet worden. Dies wollen die Forscher nun nachholen.

Die Forscher fordern daher eine strengere Reglementierung der Drohnennutzung und eine Anpassung der Konstruktionsprinzipien für Drohnen. „ Man könnte Drohnen so bauen, dass sie bei einem Aufprall leichter zerbrechen oder sie unterhalb eines bestimmten Gewichts halten„, erläutert Poormon.

via University of Dayton"

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2 Kommentare

  1. Daniel

    17. Oktober 2018 at 17:16

    Interessanter Test. Schon übel wie stark der Phantom in den Flügel einhackt. Neue, EU-weite Gesetze sind ja gerade auf dem Weg durch die EASA. Aber viel ändert dies auch nicht. Es gibt leider immer die Idioten, die sich an keine Regeln halten. Allerdings muss man auch sagen, dass der erste Hype der neuen Möglichkeiten durch Drohnen und die Lust am Spielen aufgehört hat. Es flacht alles etwas ab. Bleibt zu hoffen, dass es keine Horrormeldung gibt…

    Ihr könntet mal noch auf eine generelle Versicherungspflicht hinweisen. Macht immer Sinn.

  2. Achmed Khammas

    20. Oktober 2018 at 19:51

    Eine Übersicht der Zwischenfälle des Jahres 2017 gibt es hier: http://www.buch-der-synergie.de/c_neu_html/c_11_15_elektroflugzeuge_37_2017_abwehr.html#Zwischenfaelle

    Die Liste 2018 erscheint dann irgendwann im Laufe des nächsten jahres.

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