Die Lufthansa arbeitet daran, die Luftfahrt “grüner” zu machen. Ab Mai experimentiert das Unternehmen mit einem neuartigen Biokerosin. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen scheint jedoch noch zweifelhaft.


Flugzeuge mit Biokerosin

Die weltweit steigenden Passagierzahlen führen zwangsläufig zu mehr Flugbewegungen. Diese wiederum haben einen entscheidenden Anteil an dem von Menschen verursachten CO2-Ausstoß. Weltweit wird im Jahr etwa eine Milliarde Liter Kerosin im Luftverkehr verbrannt, was zu einem CO2-Ausstoß von 650 Millionen Tonnen führt, was insgesamt 2 Prozent der globalen CO2-Emissionen ausmacht. Diese Emissionen werden durch den Transport von fünf Milliarden Passagieren und 46 Millionen Tonnen Fracht verursacht.


Die Lufthansa möchte ihren Anteil dazu beitragen, die Luftfahrt von dem Image der Drecksschleudern im Himmel wegzubekommen. Ab Mai möchte die komplette Lufthansa-Gruppe, die neben der Lufthansa selber noch die Fluggesellschaften Swiss, Austrian Airlines, Germanwings und Brussels Airlines umfasst, ihre Flugzeuge am Flughafen in Oslo nur noch mit einer speziellen Biokerosin-Mischung betanken.

Das klingt erstmal sehr begrüßenswert, jedoch besteht die Mischung zu 95 Prozent aus herkömmlichen Kerosin, der Anteil an Biokerosin beträgt lediglich 5 Prozent. Insgesamt soll der Hersteller Neste Oil 9,5 Millionen Liter des Kraftstoffs für das Projekt zur Verfügung stellen.

Biokerosin in der Vergangenheit in der Kritik

Über die Zusammensetzung des Treibstoffes schweigen sowohl die Lufthansa als auch Beste Oil sich aus. In der zweiten Hälfte des Jahres 2011 probierte Lufthansa auf der Strecke Hamburg-Frankfurt schon einmal einen Biotreibstoff aus. Der Mix bestand aus je 50 Prozent herkömmlichen Kerosin und Biosprit, der vor allem auf dem Öl der Jatropha basierte, einer giftigen Nuss. Neben dem Jatropha-Öl waren Leindotteröl, Altfette und Palmöl enthalten.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte Lufthansa daraufhin scharf. Der großflächige Palmöl-Anbau entziehe mehreren Tieren den Lebensraum, so die Vorwürfe. Diese Kritik wurde jedoch von führenden Experten für Biomasse und alternative Treibstoffe als polemisch eingestuft.

Verschiedene Ansätze bei verschiedenen Fluggesellschaften

Insgesamt sind viele Fluggesellschaften damit beschäftigt, nach Methoden zu suchen, um den CO2-Austausch von Flugzeugen zu vermindern. Lediglich die verwendeten Methoden sind unterschiedlich. Die japanische Gesellschaft ANA setzte 2014 auf Biosprit mit einem Anteil von gebrauchtem Bratfett, Altölen und tierischen Fetten. Andere Beispiele sind der Einsatz von Zuckerrohr-Derivaten, Extrakten aus der Macauba-Palme oder die ölhaltigen Samen der Camelina. Lufthansa selber testete 2014 Biokerosin auf Zuckerbasis.

Bisher scheint die Wirksamkeit derartiger Treibstoffe jedoch zumindest zweifelhaft. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) konnte im letzten Jahr zwar der Ausstoß von 1500 Tonnen CO2 vermieden werden, aber die Emission von Stickstoff und Kohlenmonoxid blieb gleich. Die Institution zog daraufhin den Schluss, Biokerosin sei dem normalen Kerosin gegenüber mindestens gleichwertig. Angesichts der hohen Erzeugungskosten dürfte das aber kaum ausreichen. Das Öko-Kerosin kostet in der Herstellung ca. 3 Mal so viel wie herkömmlicher Flugzeugtreibstoff.

Airbus geht dabei einen anderen Weg. Das Unternehmen experimentiert mit Strom zum Antrieb von Flugzugen. Bis diese Methode im kommerziellen Flugverkehr einsetzbar ist, dürfte aber noch einiges an Zeit vergehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.