Das Thema Autoregeneration ist momentan ein großes Ding in der Werkstoffkunde. Vor einiger Zeit berichteten wir von einem speziellen Beton, der sich selbst reparieren konnte. Heute soll es um sich selbst regenerierende Flugzeugflügel gehen. Nachdem sie drei Jahre unter dem Mantel des Schweigens an dem Projekt gearbeitet haben, haben britische Wissenschaftler nun eine neue Technologie für Kohlestofffasern vorgestellt, die sich im Falle von Beschädigungen selber reparieren können.


Flugzeugflügel
Foto: © Alexander Trisko

Inspiration vom menschlichen Körper

Das Team von der University of Bristol ließ sich für das Projekt von den Selbstheilungskräften des menschlichen Körpers inspirieren. Die Idee begann als grobes Konzept auf der Rückseite eines Umschlags und wuchs sich in den letzten drei Jahren unter der Beteiligung von Luftfahrt-Ingenieuren zu einer handfesten Technologie zurecht.

Das Ergebnis sind Kohlefasern, die bei mikroskopischen Rissen in der Oberfläche selber aktiv werden, um diese zu schließen. Als erstes Anwendungsbeispiel nahmen die Wissenschaftler die Flügel kommerzieller Airliner, aber selbstverständlich ist die neue Kohlefaser auch in vielen anderen Bereichen anwendbar.


Heilungskräfte sind abhängig von der Umgebungstemperatur

Der aufmerksame Leser unserer Seite fühlt sich zurecht an unseren Bericht über den Biobeton von Prof. Hendrik Jonker aus Delft erinnert. Und tatsächlich ähneln sich die beiden Technologien sehr. Das Material wird mit winzigen, mikroskopischen Kugeln versetzt, die für Menschen wie Staub aussehen. Dieselbe Technik setzt auch Jonker ein. Während beim Biobeton jedoch Mikroben in den Kugeln sind, hat das britische Team diese mit einer Flüssigkeit gefüllt, die bei Beschädigungen freigesetzt wird und mit einem Katalysator reagiert und dabei erhärtet. Kleine Beschädigungen werden so ohne weiteres Zutun von außen repariert. Allerdings ist der Prozess der Aushärtung von der Temperatur abhängig. Die Beschädigungen an einem Flugzeug, das auf dem Parkfeld des Flughafens Dubai steht, könnten so innerhalb weniger Stunden repariert sein. Der gleiche Prozess würde in Reykjavik wiederum Tage dauern.

Größere Beschädigungen kann die Technologie nicht reparieren. Allerdings sind es gerade die mikroskopischen Schäden, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind, die bei entsprechender Belastung des Flügels zu einer ernsthaften Gefahr werden können. Der Leiter des Teams, Professor Duncan Wass, schlug in einem Interview mit der Zeitschrift Independent vor, dass die Flüssigkeit mit einem Färbemittel versehen werden könnte, sodass auch mikroskopische Beschädigungen bei bloßer Betrachtung sichtbar wären. Dieses Mittel müsste dann aber bspw. nur unter Schwarzlicht sichtbar sein, sodass Passagiere während des Flugs nicht in Panik geraten.

Letztlich lässt sich die Technologie überall da einsetzen, wo Kohlestofffasern verwendet werden. Interessant könnte dies auch für Windräder werden, die oft durch Vogelschlag beschädigt werden. Die Überprüfung und Reparatur eines gewaltigen Rotorblatts in 30 Meter Höhe gestaltet sich nämlich ausgesprochen schwierig. Laut Wass wird es noch etwa 10 Jahre dauern, bis die Technologie im großen Stil einsatzbereit ist.

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.