Wenn in bestimmten Meeresgebieten der Sauerstoffgehalt im Wasser besonders gering ist, sprechen Wissenschaftler von einer sogenannten „Todeszone“. Die größte dieser Todeszonen befindet sich im Golf von Oman im Arabischen Meer. Kürzlich fanden Forscher durch Messungen mit autonomen Robotergleitern heraus, dass diese Zone in den letzten Jahrzehnten deutlich weiter und schneller gewachsen ist als bisher befürchtet. Die Todeszone erstreckt sich über eine Fläche von der Größe Österreichs – dort ist unterhalb von 350 Metern so gut wie kein Sauerstoff mehr im Wasser zu finden. Auch in der Schicht darüber herrscht deutlicher Sauerstoffmangel.


Ozean
Foto: The Atlantic Ocean, Milan Boers, Flickr, CC BY-SA 2.0

Todeszonen: Wo das Meer erstickt

Die sogenannten Todeszonen finden sich vor allem in Küstennähe und am Grund der Ozeane. Der Name kommt daher, dass das sauerstoffarme Wasser für viele Meeresbewohner nicht mehr bewohnbar ist. Diese Zonen werden ausgelöst durch die Erwärmung der Ozeane sowie der Überdüngung. Todeszonen finden sich inzwischen unter anderem im Schwarzen Meer, im Indischen Ozean und in der Ostsee sowie dem Atlantik. In den letzten 50 Jahren nahmen diese Sauerstoffminimumzonen etwa um das Vierfache zu. Forscher befürchten eine sich unter Wasser anbahnende Katastrophe.

Im Arabischen Meer registrierten Wissenschaftler bereits in den 90er-Jahren des letzten Jahrtausends Sauerstoffgehalte von weniger als drei Mikromol pro Kilogramm unterhalb einer Tiefen von 450 Metern – das entspricht beinahe schon anoxischen Bedingungen. Da Piraterie und Konflikte weitere Forschungsarbeiten in der Region schwierig machten, konnte die Todeszone im Arabischen Meer nicht adäquat untersucht werden. Mit Hilfe von autonomen Unterseegleitern, die acht Monate lang das Arabische Meer und den Golf von Oman durchkreuzten, konnte ein Team von Wissenschaftlern nun erneut Messungen vornehmen.


Überraschend große Todeszone im Arabischen Meer

Das Ergebnis der neuesten Untersuchung war erschreckend. Die Situation stellte sich als deutlich schlimmer dar als bisher befürchtet. Die von den Gleitern gemessenen Werte unterhalb von 350 Metern ergaben einen Sauerstoffgehalt von etwa 1,1 Mikromol pro Kilogramm. Sogar knapp unter der Oberfläche im Golf von Oman habe der Sauerstoffgehalt messbar abgenommen, so die Forscher. In Tiefen bis 150 Meter lagen die Werte bei etwa 60 Mikromol pro Kilogramm, was bereits sauerstoffarmen Bedingungen entspricht.

Wir haben hier ein reales Umweltproblem, denn Fische, andere Meerestiere und Meerespflanzen brauchen Sauerstoff, sie können hier nicht mehr überleben. Der Ozean erstickt. Auch für die Menschen der Region hat dies verheerende Folgen, denn sie sind für Nahrung und Arbeit vom Ozean abhängig„, so Bastien Queste von der University of East Anglia.

Außerdem sind diese Todeszonen ein Motor für den Klimawandel. Selbst kleinere Sauerstoffminimumzonen setzen viel Lachgas (Distickstoffmonoxid) frei, was ein potentes Treibhausgas ist und ungefähr 300 Mal stärker wirkt als Kohlenstoffdioxid.

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