Tübinger Forscher haben eine neues und hochwirksames Antibiotikum entdeckt. Dem aktuellen Nature-Fachbeitrag zufolge konnte das „Lugdunin“ getaufte Antibiotikum auch Stämme von Bakterien abtöten, gegen die andere Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Die Forscher sind durch einen Zufall auf die neuen Bakterien-Killer gestoßen. Sie forschten gerade an multiresistenten MRSA-Keimen.


Bakterien im Urin
Antibiotika resistente Bakterien Bild: Mkaercher CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Lugdunin wurde in der menschlichen Nase gefunden

Wie die Forscher bekannt geben, verfügt etwa ein Drittel der Menschen über diesen multiresistenten Keim in der Nase. Die Experten von der Uni Tübingen gingen diesem Fund nach und identifizierten genau ein Bakterium, das sich in vielen menschlichen Nasen einheimisch fühlt und die Eigenschaft besitzt den MRSA-Keim abzutöten. Nach diesem Fund und der Wirkungsweise, auf die noch näher eingegangen wird, überlegen die Forscher nun, wie Lugdunin angewendet werden könnte. Mangels Wasserlöslichkeit scheidet die Tablettenform wohl aus. Die Wissenschaftler befinden allerdings aktuell darüber Lugdunin direkt über die Nase, also als Probiotikum (in der Form lebensfähiger Mikroorganismen) zu verabreichen.

Wirkungsweise

Das Bakterium, welches in der menschlichen Nase sitzt, produziert den Forschern nach selbst ein Antibiotikum welches dem MRSA-Keim den Garaus macht. „Allerdings könnte das Bakterium auch gegen andere Keime wirken“, so die Forscher weiter. Vermehrt stehen Ärzte vor dem Problem Patienten mit MRSA-Keimen versehenen Infektionen wirksame Antibiotika zu verschreiben. Schließlich sind diese Keime bekanntlich schon ziemlich resistent geworden. Vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist die Gefahr groß sich mit MRSA-Keimen anzustecken. Lugdunin könnte in Zukunft ein zuverlässiges Mittel gegen die aggressiven Keime werden. Allerdings dürften dabei noch ein paar Jahre vergehen. Nun stehen erst einmal klinische Studien an. Die bereits unternommene Patentanmeldung der Universität Tübingen spricht jedoch für sich und das Vertrauen in den neuen Wirkstoff.


Der Kampf gegen die Antibiotika-Resistenz

Zu schnell und nahezu schon grob fahrlässig haben Ärzte in den letzten Jahren Antibiotika verschrieben. Die Folge sind Resistenzen, die den Pool an wirksamen Mitteln gegen Bakterien stark eingrenzen. Oftmals konnte nicht genau geklärt werden, ob der Patient nun an Viren oder Bakterien erkrankt ist. Zur Sicherheit wurde einfach ein Antibiotikum verschrieben. Forscher der amerikanischen Duke University haben dazu einen neuen Bluttest entwickelt, der die Unterscheidung in Zukunft viel schneller und einfacher machen soll. Ziel ist es die überflüssige Antibiotikum-Einnahme weitestgehend zu vermeiden.

Etwas abenteuerlicher klingt der Einsatz von Quantenpunkt-Nanopartikel gegen multiresistente Keime. Forscher der University of Colorado Boulder arbeiten an einer solchen Lösung und haben dazu auch schon erste Studien anfertigen können.

Warum der Kampf gegen die Antibiotika-Resistenz aber letztlich so schwierig und nahezu aussichtslos ist, haben wir in einem gesonderten Beitrag bereits zusammengefasst.

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