Das menschliche Immunsystem reagiert extrem empfindlich auf Fremdkörper in der Lunge. Dies ist bei der Bekämpfung von Infektionen sehr nützlich, erweist sich bei der Transplantation von Lungen aber als problematisch. Denn die körpereigne Abwehr reagiert mit voller Härte, wenn sie die weißen Blutkörperchen der neuen Lunge registriert. Das Immunsystem versucht dann das Spenderorgan zu zerstören. Im schlimmsten Fall führt dies zum Scheitern der Transplantation. Bisher kamen daher immununterdrückende Medikamente zum Einsatz, die aber erhebliche Nebenwirkungen mit sich brachten. Eine neue Technik namens „ex-vivo lung perfusion“ (EVLP) könnte dies nun aber ändern.


Eine 3D-Rekonstruktion der menschlichen Lunge anhand von CT-Bildern. Bild: By AndreasHeinemann at Zeppelinzentrum Karlsruhe, Germany http://www.rad-zep.de (http://www.rad-zep.de,) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons
Eine 3D-Rekonstruktion der menschlichen Lunge anhand von CT-Bildern. Bild: By AndreasHeinemann at Zeppelinzentrum Karlsruhe, Germany http://www.rad-zep.de  [CC BY 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons

In einer künstlichen Umgebung wird die Lunge präpariert

Dabei wird die Lunge dem Spender entnommen und zunächst für drei bis vier Stunden in einer künstlichen Umgebung am Leben erhalten und mit Blut und Nährstoffen versorgt. Diese Behandlung führt einerseits dazu, dass sich der Zustand der Lunge bessert. Auf diese Weise erhalten die Spendenempfänger also ein besseres Organ, als wenn die Lunge direkt verpflanzt würde. Diese Zeit kann aber auch genutzt werden, um bestimmte Veränderungen an der Lunge vorzunehmen. So hat ein Forschungsteam der University of Lund und der University of Manchester bei Versuchen mit Schweinelungen die EVLP-Behandlung genutzt, um bei einem Teil der Lungen die weißen Blutkörperchen zu entfernen.

Forscher setzen große Hoffnungen in die neue Technik

Das Ergebnis: Diese Lungen erzeugten innerhalb der ersten 24 Stunden nur leichte Abstoßungseffekte. Anders bei den unbehandelten Organen: Diese sorgten fast unmittelbar für schwere Abstoßungserscheinungen. Aufgrund der begrenzten Dauer des Versuchs können die Forscher natürlich noch keine Aussagen über die langfristigen Auswirkungen machen, sie setzen aber große Hoffnungen in die EVLP-Technik. „Abgesehen von den positiven Auswirkungen, die sich in dieser Studie zeigten, ist es möglich, dass EVLP genutzt werden kann, um Medikamente einzusetzen, bevor die Lunge implementiert wird, so dass das Immunsystem des Patienten die Lunge nicht mehr als Gefahr betrachtet“, erklärt Dr. James Fildes von der University of Manchester.


Via: University of Manchester

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