Zwar gewährt die EU theoretisch die Möglichkeit, eine Steuer auf Kerosin für die gewerbliche innerstaatliche Luftfahrt zu erheben, doch außer den Niederlanden hat sich bislang kein europäischer Staat dazu entschlossen. Ganz im Gegensatz zum Benzin und Diesel, dort liegen die Steueranteile auf hohem Niveau. Da kommt die Frage auf: Warum dieser eklatante Gegensatz? Ein Kommentar.


Von Boeing_787-8_maiden_flight_overhead.jpg: Dave Sizer from Seattle, WA, USABoeing_787-8_first-flight_tail.jpg: Dave Sizer from Seattle, WA, USAderivative work: Altair78 (talk) – Boeing_787-8_maiden_flight_overhead.jpgBoeing_787-8_first-flight_tail.jpg, CC BY-SA 3.0, Link

Der Staat hält die Hand bei nationalen Flügen nicht auf

Die Energiesteuer auf Diesel beträgt in Deutschland derzeit 47,04 Cent je Liter, für Benzin liegt sie immerhin schon bei 65,45 Cent je Liter. Auf diese Steuer wird noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent geschlagen, also eine Steuer wird besteuert. Demnächst werden wir vielleicht noch eine CO2-Steuer dazubekommen, die eventuell ebenfalls mit einer Mehrwertsteuer gekrönt wird. Der Flugzeugtreibstoff geht hingegen leer aus, da hält der Staat nicht die Hand auf. Allerdings ist das innerstaatliche Fliegen doch sehr viel eher reiner Luxus als das Autofahren, oder nicht?

Autofahren auf dem Land ist kein Hobby, sondern notwendig

Zugegeben, es gibt mehr als genug Leute, die sich zum Spaß oder aus Faulheit hinter das Lenkrad setzen. In größeren Städten existieren zudem oft mehr als genug Möglichkeiten, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu begeben und auf diese Weise nicht nur Sprit zu sparen, sondern auch die ohnehin verstopften Straßen zu schonen. Auf dem Land jedoch und in kleineren Städten ist der Nahverkehr weniger gut bis fast gar nicht ausgebaut. Die Menschen können dort schlecht auf ihre individuelle Mobilität verzichten: Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist vielleicht viele Kilometer weit entfernt, zur Arbeitsstelle fährt kein Bus und die Kinder können nur mit dem Auto zu ihren Freunden und Hobbys gelangen, weil an schnellen Land- und Bundesstraßen keine Radwege vorhanden sind. Autofahren ist nebenbei nicht immer reiner Luxus, sondern oftmals eine Notwendigkeit – vor allem deshalb, weil eine immer stärker werdende Zentralisierung stattfindet. Die kleinen Tante-Emma-Läden haben längst fast alle geschlossen, kleine Dorfschulen sind ausradiert und die Betriebe verziehen sich in den Speckgürtel der Städte.


Liegt die Lösung überhaupt in Steuererhöhungen?

Flugreisen hingegen werden häufig genutzt, um zum verlängerten Wochenende noch schnell mal einen City-Trip zu machen oder ein paar Tage an der Küste zu genießen. In vielen Fällen sind es auch Geschäftsleute, die den Flieger von Dortmund nach Hamburg nutzen, um die nächste Konferenz möglichst zügig zu erreichen. Hier wäre der Flug steuerlich absetzbar, eine Steuer würde darüber hinaus keine Armen treffen. Allerdings sollte man auch an dieser Stelle zuerst die grundsätzliche Frage klären, ob die Lösung unserer Probleme wirklich in ständigen Steuererhöhungen liegt. Die Schaffung attraktiver Alternativen strengt zwar mehr an, führt aber zu weniger Frust. Das Geld, das von uns in Richtung Staat wandert, fließt ohnehin höchst selten in den Umweltschutz.

Quellen: bundesfinanzministerium.de, zeit.de

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