Die Masern sind eine Krankheit, die eigentlich schon längst ausgerottet sein könnte. Die entsprechenden medizinischen Möglichkeiten sind in jedem Fall vorhanden. Impfkritiker-Bewegungen in Industriestaaten sowie die mangelnde medizinische Versorgung sorgen jedoch dafür, dass weltweit weiter Menschen an den Masern erkranken – auch in weit entwickelten Ländern. Und dieses Jahr ist es besonders schlimm. So schlimm, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO von einer „globalen Krise“ spricht.


Spritze mit zwei Tropfen
Foto: Syringe With 2 Drops, ZaldyImg, Flickr, CC BY-SA 2.0

Häufung von Masern-Fällen

Vorläufige Datenerhebungen, die von der WHO veröffentlicht wurden, zeigen einen deutlichen Anstieg der global gemeldeten Masern-Fälle für die ersten drei Monate des Jahres 2019. Die Daten zeigen, dass die Fallzahl etwa 300 Prozent höher ausfallen als für den gleichen Zeitraum im letzten Jahr.

Der Bericht der WHO betont, dass die Daten noch nicht komplett und vorläufig sind. Außerdem wird geschätzt, dass nur einer von 10 Masern-Fällen offiziell gemeldet werden – die Wahrscheinlichkeit ist also hoch, dass es ein relativ großes Dunkelfeld gibt. Offiziell wurden dieses Jahr bisher in insgesamt 170 Ländern 112 163 Fälle gemeldet. Letztes Jahr waren es im selben Zeitraum 28 124 Fälle in 163 Ländern.


Afrika ist besonders betroffen

Der höchste Anstieg wurden auf dem afrikanischen Kontinent beobachtet – im Vergleich zum Vorjahr gab es dort 700 Prozent mehr Masern-Fälle. Offiziell existieren aktuelle Ausbrüche im Kongo, in Äthiopien, in Madagascar um im Sudan. Aber auch in Ländern mit höherer Impfabdeckung wie etwa den USA und Israel gibt es lokalisierte Ausbrüche.

In einem Editorial, das von CNN veröffentlicht wurde, beschreiben Henrietta H. Fore, Exekutivdirektorin der UNICEF, und Tedros Adhanom Ghebreyesus, Direktor der WHO, die Daten als „weltweite Masern-Krise“. Dabei sehen sie die Ursachen nicht nur in der medizinischen Versorgung in Entwicklungsländern, sondern auch in der wachsenden Menge Impfkritiker in entwickelten Ländern.

Auch in den USA gibt es mehr Fälle

Diesen Monat wurde in New York eine öffentlicher Gesundheitsnotfall ausgerufen, weil in der Stadt der größte Masern-Ausbruch seit 30 Jahren wütete. In den gesamten USA wurden in diesem Jahr bereits 555 Fälle gemeldet – 2018 waren es insgesamt über das gesamte Jahr gesehen nur 372. Sollte dieser Trend sich fortsetzen, wird es in den USA 2019 so viele Masern-Fälle geben wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Und das, obwohl es 2016 noch hieß, der amerikanische Kontinent sei frei von den Masern.

Fore und Ghebreyesus schlagen vor, die Problematik auf mehreren Fronten anzugehen. Die WHO arbeitet daran, auf aktuelle Ausbrüche zu reagieren und Impfungen an die betroffenen Gegenden zu liefern. Gleichzeitig soll auch in den entwickelten Ländern wieder vermehrt auf Aufklärung gesetzt werden. In den Entwicklungsländern dagegen geht es vor allem darum, die medizinische Versorgung an sich zu vergessen.

It requires each of us to stand up for science, for health and for the importance of vaccines. It means building basic scientific literacy – ensuring people can interpret and understand information about their health and vaccines„, schreiben die beiden in ihrem Editorial.

In Deutschland gibt es schon seit längerer Zeit Diskussionen bezüglich einer Impfpflicht für Masern. Dass das funktioniert, macht Finnland vor: Nach Einführung der Impfpflicht wurden die Masern in dem nordeuropäischen Land nahezu ausgerottet.

via WHO

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