Ein vielseitig einsetzbares Aerogel haben Forscher an der National University of Singapore (NUS) hergestellt. Nichts Neues, mögen manche sagen. Doch! Denn noch nie zuvor ist es gelungen, dieses Material aus Baumwoll-Stoffresten herzustellen, die bisher entsorgt werden, etwa in Müllverbrennungsanlagen. Aerogele gehören zu den leichtesten Materialien der Welt. Sie sind extrem porös. Damit sind sie bestens geeignet, Gebäude gegen Schall und Wärmeverluste beziehungsweise Überhitzung zu schützen. Daneben wird das Material aus Singapur im medizinischen Bereich eine wichtige Rolle spielen. In modifizierter Form ist es ideal zum schnellen Stillen von stark blutenden Wunden.


Bild: NUS

Extrem gute Isolation

Um zu zeigen, wie gut die Isolationswirkung ist, haben die Forscher Trinkflaschen des Militärs mit ihrem Aerogel umhüllt. Dann füllten sie Eiswasser ein. Nach vier Stunden hatte es sich gerade mal auf ein Grad Celsius erwärmt.

Bisher wurden Aerogele aus unterschiedlichen Rohstoffen hergestellt, beispielsweise aus Silikaten, die vor allem Silizium enthalten. Die Herstellung ist Zeit raubend und daher teuer. Ein Team um die Professoren Hai Minh Duong und Nhan Phan-Thien aus der Maschinenbaufakultät der NUS haben die Produktionszeit auf ein Fünftel gesenkt. Im Vergleich zu Aerogelen aus Zellstoff, mit dem die Wissenschaftler früher experimentierten, sind es noch elf Prozent. Kosteneinsparungen ergeben sich auch bei Transport und Lagerung. Die Aerogele lassen sich extrem verdichten. Legt man sie ins Wasser, quellen sie nach sehr kurzer Zeit zur alten Größe auf.


Blutungen werden dreimal schneller gestoppt

Um Blutungen zu stillen produzierten die Forscher aus Singapur Hybrid-Aerogele. Sie unterscheiden sich nur in der Rohstoffwahl. Sie vermischten Materialien, die aus Baumwolle hergestellt worden waren, mit Materialien aus Zellstoff. Dann reicherten sie die winzigen Bällchen, die so entstanden, mit Chitosan an. Das ist ein Material, das Blut gerinnen lässt. Es wird aus den Schalen von Krustentieren gewonnen. Diese präparierten Bällchen werden direkt in die Wunde gespritzt. . „Jedes dieser Schwämmchen dehnt sich innerhalb von 4,5 Sekunden auf das 16-Fache seiner ursprünglichen Größe aus“, sagt Duong, „dreimal schneller als bisher eingesetzte Aerogele.“ Damit werden Blutungen deutlich früher gestoppt.

via National University of Singapore

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