Antibiotika waren zweifelsohne eine der wichtigsten medizinischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig entwickeln sie sich aber zu einer der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Dank einer sehr lockeren Verschreibungspraxis bei menschlichen Patienten sowie einer extensiven Nutzung von Antibiotika in der Tierzucht grassieren inzwischen weltweit – vor allem in den medizinisch ausgezeichnet versorgten Industriestaaten – sogenannte multiresistente Bakterien. Dabei handelt es sich um Erreger, die gegen viele Antibiotika immun sind. In den USA wurde nun erstmals ein bakterielles Gen gefunden, das eine Resistenz gegen die sogenannten „Last Resort“-Antibiotika verleiht, also gegen die wirksamsten und stärksten existenten Antibiotika.


Foto: Antibiotics, Iqbal Osman, Flickr, CC BY-SA 2.0

Salmonellen: Wirken bald keine Antibiotika mehr

Salmonellen sind Bakterien, die mit Lebensmittelvergiftungen assoziiert sind. Im Normalfall ist eine Salmonelleninfektion in der Regel eine Frage der Geduld – irgendwann verschwindet sie wieder. Nicht gefährlich, aber unangenehm. Anders sieht es bei besonders jungen oder alten Menschen sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem aus. Für sie können Salmonelleninfektionen ein Risiko sein, weshalb häufig Antibiotika verschrieben werden.

Und hier kommen wir zu einem Problem: Wie viele andere Bakterien haben auch Salmonellen eine Resistenz gegen die meisten Antibiotika entwickelt. Genauer gesagt gegen so ziemlich alle außer Colistin, ein Antibiotikum, das nun als letzte medikamentöse Behandlungsmöglichkeit von Salmonelleninfektionen gilt. Und nun sieht es so aus, als würde auch dieses Medikament nicht mehr lange wirken. Forscher in den USA haben ein Gen entdeckt, das Salmonellen die Fähigkeit verleiht, sich gegen Colistin zu wehren. Das Bakterium ist damit quasi nicht mehr mit Antibiotika behandelbar.


Gen kommt aus China

Das Gen ist als mcr-3.1 bekannt und befand sich bereits seit Jahren auf der Watchlist vieler Wissenschaftler. Nun scheint es erstmals in den USA aufgetreten zu sein.

Public health officials have known about this gene for some time. In 2015, they saw that mcr-3.1 had moved from a chromosome to a plasmid in China, which paves the way for the gene to be transmitted between organisms. For example, E. coli and Salmonella are in the same family, so once the gene is on a plasmid, that plasmid could move between the bacteria and they could transmit this gene to each other. Once mcr-3.1 jumped to the plasmid, it spread to 30 different countries, although not – as far as we knew – to the US„, so Siddhartha Thakur, einer der Autoren der Studie.

Das Gen wurde bei Routineuntersuchungen entdeckt, die dazu dienten, neue multiresistente Bakterienstränge zu entdecken. Das mcr-3.1 Gen wurde in einer Stuhlprobe entdeckt, die bereits 2014 von einem Patienten entnommen wurde, der in China eine Salmonellen-Infektion bekam. Theoretisch ist das Gen in der Lage, sich auf das deutlich gefährlichere Bakterium E.coli zu übertragen.

Die Verbreitung dieses Gens ist ein weiterer Schritt in Richtung superresistenter Bakterien. Allerdings werden stetig neue Antibiotika entwickelt, und auch an anderen Behandlungsmethoden für multiresistente Bakterien wird geforscht.

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1 Kommentar

  1. Wilhelm Andrelenski

    16. Juni 2019 at 16:02

    Das Problem ist nicht die Verschreibung von Antobiotika, sondern die Verschreibung von Breispektrum-Antibiotika. Würden Ärzte Erregerbestimmungen durchführen, was sie eigentlich müssten, könnten Sie anschließend das passende Antibiotikum verschreiben statt eines Breispektrumantibiotikums, wodurch wir, ausgehend von diesem Vektor, so gut wie keine Resistenzbildung hätten.

    Das zweite Problem ist die mangelnde Krankenhaushygiene, woher die meisten antibiotikaresistenten Bakterien aus Patientenprozessen stammen.

    Das größte Problem aber sind die, nicht gegen Krankheiten, sondern vorsorglich verabreichten Antibiotika in der Tierhaltung, die mit Ausgasungen durch die Luft, mit Abwässern durch Flüsse und andere Oberflächengewässer und durch den Verzehr des Fleisches auf den Menschen übertragen werden. Dieser Vektor macht weit über 95 % der Resistenzen aus. Leicht vermeidbar, jegliche Antobitokagabe ohne zugrunde liegende Erkrankung muss verboten werden. Das kann von heute auf morgen gemacht werden und würde das Problem signifikant verringern.

    Die Tierärzte und Züchter, die Antobiotika ohne Erkrankung eingesetzt haben, müssen haftbar gemacht werden, aufgrund von Toten durch Antobiotikaresistenzen und Kosten durch Entwicklung neuer Antibiotika. Aber Poltikern sind Steuereinnahmen durch möglichst viel Fleischverkauf wichtiger als einsatzfähige Antibiotika, wenn man sie braucht, es wird also weitergehen wie bisher und es werden immer mehr sterben.

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