Die Genschere CRISPR/Cas9 gilt als vielversprechender Ansatz für die Behandlung diverser Krankheiten. Das gilt auch für die Behandlung von HIV-Infektionen. Forschern aus den USA gelang es nun, in einer Studie HIV-infizierte Mäuse mit Hilfe einer Kombinationsbehandlung aus der Genschere und antiviralen Medikkamenten vollständig von dem Virus zu befreien.


HIV-infizierte T-Zelle
Eine mit HIV infizierte T-Zelle. Foto: HIV-ingected H9 T cell, NIAID, Flickr, CC BY-SA 2.0

Kombinationstherapie gegen HIV

Antivirale Medikamenten ist es zu verdanken, dass die meisten HIV-Patienten inzwischen ein normales Leben mit einer normalen Lebenserwartung führen können. Allerdings müssen die Medikamente dazu ein Leben lang eingenommen werden. Denn während die Virostatika zwar in der Lage sind, die Virenlast im Körper der Patienten deutlich zu senken, können sie die Erreger nicht gänzlich beseitigen. „ Das HI-Virus integriert seine eigene DNA in das Genom der Immunzellen des Wirts. Es kann so in einer latenten Form überdauern und jederzeit reaktiviert werden„, so Prasanta Dash von der University of Nebraska in Omaha.

Die Infektion kann daher nur dann vollständig geheilt werden, wenn entweder alle infizierten Zellen eliminiert werden oder die provirale DNA aus ihnen entfernt wird. Das Team rund um Dash wollte mit der Genschere CRISPR/Cas9 experimentieren, um HIV-infizierte Mäuse zu heilen.


Dafür wurden die Tiere in einem ersten Schritt mit antiviralen Medikamenten behandelt, die so konstruiert waren, dass sie ihre Wirkstoffe zeitgesteuert freisetzten und die Vermehrung der HIV-Viren langfristig effektiv hemmen können. Anschließend kam CRISPR/Cas9 zum Einsatz. Die Genschere schnitt die fremde DNA aus den infizierten Zellen heraus und beseitigte so auch die letzten Spuren der Viren. Laut den Forschern handelte es sich um das erste Mal, dass CRISPR/Cas9 zum Einsatz kam, um HIV-DNA aus den Zellen eines lebenden Tieres zu entfernen.

HIV-Virus nicht mehr nachweisbar

Nach der Behandlung konnte das HIV-Virus immerhin bei fünf der 13 Mäuse auch fünf Wochen später nicht mehr nachgewiesen werden. Als die Forscher Immunzellen der Nager auf nicht infizierte Artgenossen übertrugen, geschah nichts.

Der Einsatz nur der Genschere oder nur der Medikamente hatte dagegen keinen Erfolg. „Unsere Arbeit zeigt, dass es für eine potenzielle Heilung beides braucht – CRISPR/Cas9 und Virusunterdrückung„, so Kamel Khallili von der Temple University in Philadelphia, der an der Studie beteiligt war.

Noch ist den Forschern nicht klar, wieso nicht alle Mäuse von dem Virus befreit werden konnten. Dennoch hält das Team die Studie für vielversprechend. „ Wir liefern den Beweis, dass eine permanente Viruseliminierung machbar ist. Dies ist ein erster wichtiger Schritt auf einem noch langen Weg„, erklären die Forscher.

Zukünftige Untersuchungen werden nötig sein, um zu zeigen, wie effektiv und sicher die Methode ist. Nicht zuletzt wird auch die Frage beantwortet werden müssen, ob diese Art der Behandlung auch bei Menschen angewendet werden kann. „ Wir werden nun Versuche mit nicht-menschlichen Primaten und klinische Studien mit menschlichen Patienten anstreben – möglicherweise bereits innerhalb eines Jahres„, so Khalili.

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