Es gibt wenige Forschungsbereiche, die in der Medizin so beliebt sind wie Krebstherapien. Das Resultat aus dieser Tatsache sind zahllose interessante Therapieansätze, deren Effizienz und Sicherheit sich allerdings oft erst nach jahre-, manchmal sogar jahrzehntelanger Forschung zeigt. Ein neuer Ansatz kommt nun von der Universität Basel: Einem Team rund um Dana Ishay Ronen gelang es, Krebszellen in Fettzellen umzuwandeln. Vielversprechend ist, dass diese Behandlung sich auch auf die gefürchteten Metastasen, also die Streuungen eines Primärtumors im Körper, anwenden lässt.


Grün markierte Krebszellen und eine rot markierte Fettzelle an der Oberfläche eines Tumors (links). Nach der Therapie (rechts) haben sich drei ehemalige Krebszellen in Fettzellen umgewandelt. Die kombinierte Markierung mit Grün und Rot lässt sie dunkelgelb erscheinen. (Bild: Universität Basel, Departement Biomedizin)

Metastasen verschlechtern die Prognose von Krebspatienten deutlich

In den letzten Jahren und Jahrzehnten konnten bei der Behandlung von Krebs erstaunliche Fortschritte erzielt werden. Als Resultat hat sich die Überlebensrate von Krebspatienten deutlich verbessert. Wenn ein Tumor aber Metastasen bildet, also in andere Organe streut, verschlechtert das die Prognose allerdings signifikant. Ein Grund dafür ist, dass der Prozess der Metastasenbildung bis heute nicht komplett erforscht ist.

In den letzten Jahren kamen Forscher aber einem Geheimnis der Metastasenbildung auf die Spur: Sie fanden heraus, dass Tumorzellen durch bestimmte Signale von außen beginnen, die sogenannte epitheliale-mesenchymale Transition (EMT) zu durchlaufen. Normalerweise findet dieser Prozess während der Entwicklung eines Embryos statt und sorgt dafür, dass Epithelzellen in einen stammzellenähnlichen Zustand kommen und so in unterschiedliche Zelltypen differenzieren können. Bei erwachsenen Menschen spielt dieser Umbau normalerweise nur noch bei der Wundheilung eine Rolle. Aber auch Krebszellen machen sich die EMT zunutze. Mit ihrer Hilfe lösen sich die Krebszellen aus dem Tumorverbund und wandern in andere Gewebe ein, wo sie Metastasen bilden können. In diesem Zustand sind die Zellen ausgesprochen anpassungsfähig, sodass sich hier ein guter Therapieansatz bietet.


Forscher programmieren Tumorzellen um

Das Team der Universität Basel will nun genau diesen Zustand der Zellen nutzen, um eine neue Therapie zu entwickeln. Die Forscher stellten sich die Frage, ob man diesen stammzellenähnlichen Zustand der Tumorzellen ausnutzen könnte, um sie umzuprogrammieren. Um ihre Hypothese zu testen, haben die Wissenschaftler besonders aggressive menschliche Brustkrebstumore in Mäuse eingepflanzt und die Tiere anschließend mit zwei bereits weit verbreiteten Medikamenten behandelt.

Die kleinen Nager bekamen über einen Zeitraum von drei Wochen täglich das Antikrebsmittel Trametinib sowie Rosiglitazon verabreicht, das normalerweise zur Behandlung von Diabetes eingesetzt wird. Frühere Forschung offenbarte nämlich bereits, dass Rosiglitazon bösartige Zellen zur Redifferenzierung anregen kann.

Die Ergebnisse des Experiments waren vielversprechend: „ Brustkrebszellen, die die EMT durchliefen, entwickelten sich zu Fettzellen, die sich kaum von normalen Fettzellen unterscheiden ließen„, erklärt Gerhard Christofori, der an der Studie beteiligt war. So konnte verhindert werden, dass der Primärtumor in umliegende Gewebe streute und Metastasen bildete.

Ergänzung zur klassischen Krebstherapie

Aktuell gehen die Forscher davon aus, dass dieser Erfolg anhält: „ Sofern wir das aus unseren Zellkulturexperimenten ableiten können, bleiben einmal umgewandelte Krebszellen Fettzellen„, so Christofori. Es gelang den Forschern allerdings nicht, mit der Methode den Primärtumor in Fettzellen umzuwandeln. Dieser erfordert weiterhin klassische Intervention durch die Chirurgie und mit Chemotherapie. Allerdings hoffen die Forscher, zum einen die Ausbreitung von Tumoren auch in Menschen verhindern zu können und zum anderen einen Primärtumor anfälliger für Chemotherapeutika machen zu können.

via Universität Basel

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1 Kommentar

  1. Christoph

    15. Januar 2019 at 21:51

    Dadurch könnte man auch an Tumoren schneiden, bei denen man aktuell sagt, dass man sie besser in Ruhe lässt, weil sie sonst wie verrückt anfangen zu streuen.

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