Im schwedischen Göteborg spielte sich eine kleine medizinische Sensation ab: Eine Frau gebar ein Baby. Was erstmal nach einem alltäglichen Vorgang klingt, ist etwas ganz Besonderes: Denn dass die Frau überhaupt dazu in der Lage war, ein Kind zu bekommen, hat sie ihrer Mutter zu verdanken, die ihr ihre Gebärmutter spendete.


Ultraschall
Foto: Ultrasound 1, Martin Cathrae, Flickr, CC BY-SA 2.0

Ein Baby, drei Generationen

Es handelt sich um die weltweit erste Schwangerschaft nach einer Gebärmuttertransplantation. Die Schwangerschaft kam durch In-vitro-Fertilisation (IVF) zustande. Herausragend ist der Prozess unter anderem deshalb, weil aufgrund der Tatsache, dass es die Mutter der Frau war, von der das Spendeorgan, nun Baby und Mutter aus der gleichen Gebärmutter stammen.

Die Frau erhielt die Gebärmutter ihrer Mutter im letzten Jahr, da sie ihre eigene aufgrund einer Krebserkrankung in ihren 20ern verlor. Die Mutter der Frau zeigte sich scheinbar sofort bereit, ihrer Tochter ihre Gebärmutter zu spenden. Die Operation wurde von einem Team rund um Dr. Mats Brannstrom von der Universität Göteborg durchgeführt. Die Transplantation fand im Rahmen einer Studie statt, an der noch 8 andere Frauen teilnahmen, die entweder ohne Gebärmutter geboren wurden oder diese aufgrund einer Krankheit verloren. Das Verfahren wird in der Fachwelt als der größte Durchbruch in der Fortpflanzungsmedizin seit der Entwicklung der IVF in den 1980er Jahren bezeichnet.


Weltweit einzigartiges Verfahren

Die Verpflanzung einer Gebärmutter ist eine äußerst komplizierte Operation. Dabei ist es relativ egal, on das Spendeorgan von einer 20 Jahre alten Frau oder – wie im vorliegenden Fall – von einer Frau in ihren 50ern kommt. Relevant für das Wachstum eines Fötus ist das Alter der Eizelle, nicht das Alter der Gebärmutter. Problematisch ist lediglich die Gefahr der Abstoßung des Organs, weshalb die Patientinnen für den Rest ihres Lebens Immunsupressiva einnehmen müssen, um eine Immunreaktion gegen das Organ zu verhindern. Eine Langzeiteinnahme von Immunsupressiva ist jedoch mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Brannstorm hat die verpflanzten Uteri deshalb für zwei Schwangerschaften ausgelegt. Anschließend möchte er sie wieder entfernen.

Die Mutter bestand darauf, das sowohl sie als auch ihr inzwischen neun Monate alter Sohn anonym bleiben. Sie plant jedoch, ihrem Sohn von den Umständen seiner Geburt zu berichten, sobald er älter ist.

Weltweit laufen mehrere Programme zur Transplantation von Uteri, jedoch werden bis auf in Brannstroms Programm die Organe von toten Frauen genutzt. Sollte Brannstrom nachweisen können, dass sein Verfahren sicher und langfristig erfolgreich ist, könnte das die Fortpflanzungsmedizin von Grund auf verändern.

via IFLScience

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