Stress kennt jeder. Für manche ist er ein steter Begleiter im Alltag, andere versuchen, ihn so gut es irgendwie geht zu vermeiden. Ganz um ihn herum kommt jedoch keiner. Insbesondere Dauerstress kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Forscher hoffen, diese in Zukunft mit Hilfe einer Impfung verhindern zu können.


Spritze mit zwei Tropfen
Foto: Syringe With 2 Drops, ZaldyImg, Flickr, CC BY-SA 2.0

Stress als Bedrohung für die Gesundheit

Dauerhaft im Stress zu stehen ist weder angenehm noch gesund. Zu den möglichen Folgen gehört Übergewicht und ein schwächeres Immunsystem. Sogar psychische Erkrankungen wie etwa Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen können durch ihn entstehen. Durch Stress werden Entzündungsreaktionen im Gehirn verstärkt, was die Betroffenen anfälliger für derartige Erkrankungen macht. Stress wirkt sich auf Neurotransmitter aus und kann so zu Störungen in der Hirnchemie führen.

Derartig problematische Langzeitfolgen machen Stress zu einer echten Gefahr für die Gesundheit. Ein Team rund um Matthew Frank von der University of Colorado in Boulder fragte sich, ob man das Gehirn nicht irgendwie vor den Folgen einer dauerhaften Stressbelastung schützen könnte. Die Idee der Forscher war es, eine Art Impfung gegen Stress zu entwickeln.


Die Untersuchungen des Teams bauten auf die Vorarbeit von Kollegen auf, die herausfanden, dass Mäuse nach einer Injektion mit abgetöteten Bakterien der Art Myobacterium vaccae weniger gestresst auf die Konfrontation mit aggressiven Männchen reagierten. Franks Team injizierte dieses Bakterium nun in Ratten.

Impfstoff gegen Stress

Die Nagetiere erhielten drei Injektionen im Abstand von je einer Woche. Anschließend untersuchten die Forscher die Gehirne der Tiere und entdeckten acht Tage nach der letzten Injektion eine erhöhte Konzentration des antientzündlichen Proteins Interleukin-4 im Hippocampus der Tiere. Dieses Hirnareal ist unter anderem in die Entstehung von Emotionen wie Angst und innere Unruhe involviert.

Bei der Konfrontation mit einem stressauslösenden Umfeld reagierte das Gehirn der Versuchstiere anders als das nicht geimpfter Artgenossen. Es schüttete weniger des Stressbotenstoffs HMGB1 aus und produzierte mehr CDR200R1-Rezeptoren, die eine entscheidende Rolle dabei spielen, neuronale Immunzellen in einem antientzündlichen Zustand zu halten. In Folge reagierten die Ratten weniger gestresst auf die äußeren Einflüssen.

Wirkung auch bei Menschen?

Wir haben gezeigt, dass das Mycobacterium vaccae bei Nagern die Hirnumgebung verändert – und diese hin zu einem antientzündlichen, stressresistenteren Zustand verschiebt. Gelänge dies auch beim Menschen, hätte das weitreichende Bedeutung für die Behandlung vieler neuroinflammatorischer Erkrankungen„, so Frank.

In Zukunft könnten „Risikopersonen“ wie etwa Soldaten oder Notfallmediziner mit dem bakteriellen Impfstoff sozusagen gegen Stress immunisiert werden, was sie weniger anfällig für Folgeerkrankungen machen würde.

Die Wirkung des Myobacteriums wird sich allerdings vorher in weiterführenden Studien bestätigen müssen. Außerdem will das Team noch andere, ebenso vielversprechende Keime diesbezüglich untersuchen, um herauszufinden, ob sie sich vergleichbar oder sogar besser auf das Gehirn auswirken.

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