Organtransplantationen sind seit Jahrzehnten eine weit verbreitete Behandlungsmethode, wenn ein Organ durch eine Krankheit so weit beschädigt wurde, dass es seine Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Und ungefähr genauso lange werden die Spenderorgane für den Transport heruntergekühlt und in einer Kühlbox transportiert. Diese Prozedur überstehen nicht alle Organe unbeschädigt. Forscher haben nun erstmals eine größere Vergleichsstudie durchgeführt, bei der sie Spenderlebern ungekühlt und mit einer künstlichen Durchblutung statt in einer Kühlbox transportiert haben. Die Ergebnisse waren vielversprechend.


Transport mit künstlichem Kreislauf

Besonders bei Spenderlebern gibt es einen recht großen Bedarf und ein nicht ausreichendes Angebot. Dieser Organmangel führt dazu, dass vermehrt auch Organe transplantiert werden, die nicht völlig ohne Vorschädigungen sind. Gerade diese bereits angeschlagene Lebern haben eine geringere Wahrscheinlichkeit, den Transport in der Kühlbox unbeschadet zu überstehen. Außerdem sind diese Organe besonders anfällig für Reperfusionsschäden – also Schäden, die entstehen, wenn Gewebe nach langer Minderdurchblutung wieder mit frischem Blut durchblutet wird.


Eine alternative Methode zur Kühlbox ist die sogenannte normotherme Maschinenperfusion (NMP). Mit dieser kann die Leber so transportiert werden, als wäre sie noch im Körper. Dabei bleibt sie auf Körpertemperatur und wird über einen künstlichen Kreislauf mit Blut, Nährstoffen und Medikamenten versorgt. So kann die Leber zur Not sogar 24 Stunden am Leben erhalten werden.

In einer ausführlichen klinischen Studie hat ein Team rund um David Nasralla von der University of Oxford diese Methode mit der klassischen Kühlbox verglichen. Dabei wurden 220 Spenderleben in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe wurde gekühlt transportiert, die andere wurde an eine NMP-Maschine angeschlossen zum Patienten gebracht.

NMP ist der Kühlbox überlegen

Das Ergebnis: Der Transport mit der NMP-Methode brauchte im Schnitt zwar 54 Prozent länger, aber die Lebern überstanden den Transport deutlich besser als die Lebern in den Kühlboxen. Es gingen deutlich weniger Lebern verloren und die Zahl der Transportschäden lag generell deutlich niedriger. Ein Jahr nach der Transplantation zeigten sich zwischen den beiden Methoden keine Unterschiede in Bezug auf die Gesundheit der Spenderorgane. Die Forscher gehen aber davon aus, dass die maschinelle Perfusion langfristig auch den Erfolg von Lebertransplantationen verbessern wird. „ Die Möglichkeit, ein Organ unter nahezu normalen Bedingungen zu transportieren, könnte die Lebertransplantation entscheidend voranbringen„, so Nasralla.

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