Bakterien in unserem Körper sind ganz normal. Mehr noch, sie sind zwingend erforderlich, um bestimmte Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Allein in unserem Darm leben mehr Mikroben, als unser Körper Zellen hat. Das Mikrobiom im Darm spielt eine wesentliche Rolle für unsere Gesundheit. Die Bakterien im Darm unterstützen die Verdauung, arbeiten mit dem Immunsystem zusammen und hindern Krankheitserreger an der Ausbreitung. Forscher fanden nun auch Hinweise darauf, dass es eine Verbindung zwischen dem Mikrobiom im menschlichen Darm und der psychischen Gesundheit gibt.


Fortschritte in der Forschung bringen neue Erkenntnisse

Wie unangenehm es sein kann, wenn die Bakterien im Darm aus dem Gleichgewicht geraten, weiß jeder, der in seinem Leben schon einmal unter eine Antibiotika-induzierten Diarrhö litt. Umso wichtiger ist es, das Mikrobiom im Darm im Detail zu verstehen. Dabei ist die Technik der DNA-Sequenzierung von entscheidender Bedeutung. Früher mussten Bakterien auf Nährböden gezüchtet werden, um sie untersuchen zu können. Dies war nicht nur aufwendig, sondern auch bei längst nicht allen Arten von Bakterien möglich. Dank der DNA-Sequenzierung kann man sämtliche Darmbakterien nun anhand einer einzelnen Stuhlprobe innerhalb von wenigen Stunden identifizieren. Das macht die Erforschung der Zusammenhänge zwischen dem Zustand des Mikrobioms und diversen Krankheiten deutlich leichter. Unter anderem können so auch Verbindungen zwischen der Balance des Darm-Mikrobioms und psychischen Krankheiten wie etwa Depressionen erforscht werden.


Die Idee, dass diesbezüglich eine Verbindung existiert, ist nicht neu. Dass es über das Enterische Nervensystem und den Nervus Vagus eine direkte Kommunikation zwischen Darm und Gehirn gibt, wissen Anatomen schon seit deutlich über 100 Jahren. Allerdings steckt die Forschung zu der Frage, inwieweit diese Kommunikation sich auf die Psyche auswirken kann, noch absolut in den Kinderschuhen.

Zusammenhang zwischen Bakterien und psychischen Erkrankungen

Zwei aktuelle Studien haben die Realität des Zusammenhangs zwischen dem Mikrobiom im Darm und der psychischen Gesundheit nun deutlich erhärtet. Ein Team rund um Jeroen Raes von der Universität Leuven hat die Mikrobiome von 1000 Menschen mit diagnostizierter Depression analyisiert und herausgefunden, dass in den Stuhlproben deutlich weniger Bakterien der Gattungen Coprococcus und Dialister heimisch waren. Die Forscher selber jedoch warnten, dass ihre Studie bisher lediglich eine Korrelation zeigt und keinerlei kausale Zusammenhänge benennt. Es ist daher unmöglich zu sagen, ob der Mangel dieser beiden Bakterien eine Ursache oder eine Folge der Depression ist. Die Forscher konnten aber immerhin zeigen, dass die Veränderung des Mikrobioms auch bei Menschen auftritt, die noch nicht mit Antidepressiva behandelt wurden und somit die Medikamentation als Ursache ausschließen. Es wäre aber beispielsweise immer noch möglich, dass die Veränderungen auf eine geänderte Ernährungsweise zurückzuführen sind.

In einer weiteren Studie gelang es Forschern, die Mikrobiom-Veränderungen bei 63 Patienten mit diagnostizierter Schizophrenie per Fäkaltransplantation in Mäuse mit zuvor gesunder Darmflora zu übertragen. Die Mikrobiome behielten im Körper der Mäuse ihre Signaturen und die Forscher konnten im Anschluss im Hirnstoffwechsel der Tiere Veränderungen zeigen, die mit Schizophrenie in Verbindung stehen. Das Mausmodell aber hat das Problem, dass es schwer ist, bei den Tieren auftretende Verhaltensmuster als Indizien einer psychischen Erkrankung zu sehen. Die Mäuse in der Studie zeichneten sich lediglich durch höhere Aktivität und geringere Ängstlichkeit aus.

Noch ein langer Weg

Trotz der existierenden Vorbehalte ist es zu begrüßen, dass Wissenschaftler sich bei der Erforschung psychischer Krankheiten neben genetischen Prädispositionen inzwischen auch auf mögliche Veränderungen des Mikrobioms im Darm konzentrieren. Die entsprechenden Zusammenhänge zu verstehen ist durchaus wichtig, schließlich haben sich Darmspülungen und ähnliche Behandlungen völlig ohne wissenschaftliche Basis in der Alternativmedizin schon lange als Mittel gegen alle möglichen Leiden etabliert, darunter auch psychische. Ein genaueres Verständnis des Zusammenhanges zwischen dem Mikrobiom im Darm und psychischen Erkrankungen wäre daher durchaus wünschenswert. Bis daraus dann aber Möglichkeiten entstehen können, die Darmflora für die Behandlung zu manipulieren, ist es noch ein weiter Weg.

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