650.000 Menschen erkrankten 2015 an Infektionen durch Bakterien wie Staphylococcus aureus. 33.000 starben. Die Immunabwehr hatte versagt, Antibiotika blieben wirkungslos, weil die Mikroorganismen resistent waren. Letzteres ist vorerst nicht zu ändern. Die Immunabwehr lässt sich jedoch möglicherweise auf den mikroskopisch kleinen Gegner fokussieren. Forscher der Universität Tübingen und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben gemeinsam mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam haben jetzt ein Protein identifiziert, das den gefährlichen Bakterien eine Art Tarnkappe verpasst, die sie für die Immunabwehr unsichtbar machen.


Multiresistente Krankenhauskeime wie MRSA fordern Jahr für Jahr zahlreiche Todesopfer.

Krankenhauskeime sind bald chancenlos

Mit diesem Wissen könnte es gelingen, das Protein zu zerstören, sodass die Immunabwehr wieder freien Blick auf Staphylococcus aureus und andere resistente Erreger mit der Sammelbezeichnung MRSA oder Krankenhauskeime hat. Das würde die Zahl der Erkrankungen – die Patienten werden meist in Krankenhäusern infiziert – drastisch reduzieren.


Dass Immunsystem wird blind und wehrlos

TarP (kurz für teichoic acid ribitol P) haben die Tübinger Wissenschaftler das Protein genannt. Auf geheimnisvolle Weise gelangen die Bakterien in den Besitz des Makromoleküls, das ihnen Unsichtbarkeit schenkt. „TarP verändert das Muster von Zuckermolekülen auf der Erregeroberfläche auf eine bislang unbekannte Weise“, erklärte Andreas Peschel, Professor am Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität Tübingen. „Dies führt dazu, dass das Immunsystem keine Antikörper gegen das wichtigste MRSA-Antigen, die Teichonsäure, bilden kann.“ Das Immunsystem werde so nicht nur blind, es verliere auch die wichtigste Waffe gegen den Erreger.

Tarnkappe ist die Folge eines Krieges

Die Tübinger Forscher vermuten, dass die Bakterien bei einer Art Krieg mit Phagen in den Besitz von TarP gekommen sind. Phagen sind natürliche Feinde von bakteriellen Krankheitserregern. Sie nisten sich in diesen ein und saugen sie gewissermaßen aus. Warum die Phagen ihre Gewohnheit geändert haben und die Oberfläche der Bakterien manipuliert haben ist noch unklar.

Trotz einiger Unsicherheiten sind die Forscher sicher, dass sie mit dem jetzigen Know-how Wirkstoffe entwickeln können, die TarP blockieren und die Erreger wieder für das Immunsystem erkennbar machen.

via Max-Planck-Gesellschaft

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