Die Aufgabe unseres Immunsystems ist es, sowohl Eindringlinge von außen als auch kranke körpereigene Zellen zu erkennen und zu beseitigen. Und für diese Aufgabe ist es gut gerüstet. Bei Tumorzellen jedoch versagt das Immunsystem häufig. Die Krebszellen nutzen effektive Strategien, um die körpereigene Abwehr hinters Licht zu führen. Zwei Forscher, die an Methoden arbeiten, um mit Hilfe des Immunsystems gegen Krebs vorzugehen, erhielten nun den diesjährigen Medizinnobelpreis.


Foto: Small cell lung cancer, ecancer medicalscience,

Je nach Tumorart haben die Krebszellen unterschiedliche Strategien entwickelt, um dem körpereigenen Abwehrsystem zu entgehen. Während einige von ihnen sich tarnen, senden andere spezielle Stoffe aus, die die Immunantwort hemmen.

An dieser Hemmung setzen zwei Forscher an, die für ihre Arbeit dieses Jahr den Nobelpreis für Medizin erhielten. Die beiden Wissenschaftler schufen eine Basis für neue Immuntherapien, die die hemmende Wirkung mancher Krebszellen umgehen kann. „ Bis zu den Entdeckungen der beiden Preisträger war der Fortschritt von Immuntherapien eher schleppend. Die Immun-Checkpoint-Therapie aber hat die Krebsbehandlung revolutioniert und fundamental verändert„, heißt es in der Laudatio des Nobel-Komitees.


Beide Wissenschaftler fußten ihre Arbeiten auf der Entdeckung, dass die Immunantwort nicht nur durch Antigene der Krebszellen ausgelöst sind, sondern die Immunzellen weitere Signale benötigen. Von entscheidender Bedeutung sind dabei Rezeptoren auf der Oberseite der Zellen.

Mit einem Antikörper gegen Hautkrebs

Der Forscher James P. Allison hat bereits in den 1990ern an der University of California an einem Rezeptor geforscht, der die Antwort des Immunsystems hemmt. Der Rezeptor names CTLA-4 bremst das Immunsysten sozusagen aus. Allison versuchte mit seinem Team, den hemmenden Rezeptor gezielt mit einem Antikörper zu blockieren. 1994 gab es einen ersten Versuch mit krebskranken Mäusen. Das Experiment brachte spektakuläre Ergebnisse: Es gelang Allison, die Tiere mit einem Antikörper gegen CTLA-4 sozusagen komplett zu heilen. Das Immunsystem wurde durch die Gabe des Antikörpers enthemmt und Griff die Tumore im Körper an. Die Therapie konnte auch bei Menschen erfolgreich für die Behandlung des malignen Melanoms eingesetzt werden. Der Wirkstoff Ipilimumab wurde später in den USA zur Behandlung von Hautkrebs zugelassen.

PD-1 als Ansatz für Immuntherapien

Der zweite Nobelpreisträger kommt aus Japan, sein Name ist Tasuku Honjo. Etwa zeitgleich mit Allison entdeckte Honjo eine andere Bremse der Immunreaktion gegen Krebs. Ein Rezeptor namens PD-1 wurde als hemmender Rezeptor identifiziert. Honjo entwickelte mit seinem Team ebenfalls einen Antikörper und konnten mit diesem die Immunreaktion gegen Krebszellen auslösen.

2012 konnten klinische Studien die Wirkung von Honjos Antikörper bei mehreren Krebsarten belegen. Heute basieren Wirkstoffe wie Nivolumab und Pembrolizumab auf Honjos Forschung. Mit diesen Wirkstoffen werden unter anderem Nierenkrebs, Lungenkrebs und Lymphome behandelt.

Das Nobel-Komitee betonte, dass die Teams von Allison und Honjo die Immuntherapie gegen Krebs entscheidend vorangebracht haben. Heute wird weltweit an neuen Rezeptoren geforscht und entsprechende Antikörper werden in mehreren klinischen Studien getestet.

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