Schichtarbeit ist nicht besonders angenehm und weder für das Privatleben noch für die Gesundheit zuträglich. Wer gegen seine innere Uhr lebt, der erhöht das Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die Leistungsfähigkeit unsere Gehirns profitiert nicht unbedingt davon, wenn wir im Schichtdienst arbeiten. Forscher der University of Surrey haben nun herausgefunden, wie dramatisch die Auswirkungen von Schichtarbeit auf unseren Stoffwechsel sein können.


Pilotstudie mit überraschenden Ergebnissen

Neben der berühmten „inneren Uhr“ verfügen wir noch über zeitliche Taktgeber in unseren Organen. Wie ein Team rund um Debra Skene von der University of Surrey nun herausfand, werden diese Organ-Taktgeber durch Schichtarbeit nachhaltig gestört – selbst wenn es sich nur um drei Nachtschichten handelt.


Das Team hatte für eine Pilotstudie 14 Probanden für eine Woche ins Schlaflabor gebeten. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit wurde die Hälfte davon dann auf eine Nachtschicht umgestellt, ihr Biorhythmus wurde also um 12 Stunden verschoben. Dieser Zustand wurde für drei Tage beibehalten, während die Kontrollgruppe einen normalen Tagesrhythmus hatte. Anschließend wurden alle Probanden unter Dauerlicht 24 Stunden lang wachgehalten. Die Forscher entnahmen über den kompletten Versuchszeitraum alle drei Stunden Blutproben und untersuchten insgesamt 132 verschiedene Werte rund um den Stoffwechsel und Hormone.

Drei Tage Nachtschichten reichen aus

Die Ergebnisse waren deutlich dramatischer als erwartet. Die kurze Nachtschichtphase veränderte den Tag-Nacht-Rhythmus der Probanden drastisch – so weit gab es keine Überraschungen. Mit den massiven Auswirkungen auf das Verdauungssystem hatten die Forscher indes nicht gerechnet.

 Von den 27 zirkadian schwankenden Stoffwechselprodukten zeigten 24 eine dramatische Rhythmus-Verschiebung nach der Nachtschichtphase. Keiner hat vorher gewusst, dass die biologischen Uhren in unserem Verdauungstrakt so stark und schnell durch Schichtarbeit verändert werden. Und das, obwohl die Hauptuhr im Gehirn sich in der gleichen Zeit kaum anpasst„, so die Forscher. Die „Hauptuhr“ der Probanden hatte sich um knapp 2 Stunden verschoben, die inneren Uhren der Organe dagegen um die kompletten 12 Stunden. Die Auswirkungen waren vor allem im Darm, in der Leber und in der Bauchspeicheldrüse nachweisbar.

Nachhaltige Störungen im Stoffwechsel durch Schichtdienst

Die Desynchronisierung zwischen Hauptuhr und Organuhren bleibt nicht folgenlos. „ Als Konsequenz sagen einige biologische Signale im Körper der Schichtarbeiter es sei Tag, während andere auf Nacht eingestellt sind – das führt zu einer Disruption des Stoffwechsels„, erklärt Koautor Hans Van Dongen von der Washington State University. Durch die nur drei Tage andauernde Nachtschichtphase wurden wichtige Stoffwechselvorgänge nachhaltig gestört. Die Forscher glauben, dass dies einer der Hauptgründe dafür ist, dass Schichtarbeiter gegenüber bestimmten Krankheiten sehr anfällig sind. „ Wenn wir nun die gestörten Stoffwechselwege genauer identifizieren, könnte dies dabei helfen, die Mechanismen hinter diesem Zusammenhang zu entschlüsseln„, so die Hauptautorin Skene. Die Forscher wollen nun klären, welcher Aspekt genau es ist, der die dramatischen Veränderungen hervorruft.

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1 Kommentar

  1. David Kummer bGE

    11. Juli 2018 at 18:25

    Wurden hierbei auch Menschen untersucht, die Regelmässig 3 bzw 4 Schichten machen? Scheint jedenfalls nicht so.
    Aus meiner Erfahrung weiß ich, das die ersten Schichtwechsel die schlimmsten sind, nach 2-3 Nachtschichtwochen, pendelt sich das ein.
    Mich würde hier auch interesieren, wie sich 2 Schichten oder im 4 Schichtsystem, ein 2 Tagerytmus auswirkt.

    Ich freue mich schon auf die nächsten Ergebnisse.

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