Die meisten Menschen werden im Alter schwerhörig. Diejenigen, die laute Diskomusik lieben, früher noch als andere. Das liegt daran, dass Zellen, Synapsen und Nerven im Innenohr schlapp machen. Jetzt haben amerikanische Forscher einen Weg gefunden, die Sensoren und Leiterbahnen wiederzubeleben, die die vom Ohr aufgefangenen Geräusche ins Gehirn transportieren. Bisher funktioniert das Verfahren nur im Labor. Dort experimentieren Forscher der Harvard University und der University of South California (USC) in Los Angeles im Labor mit Gewebe aus dem Ohr von Mäusen. Doch die Forscher sind voller Vertrauen, dass ihre Technik auch in echten Ohren funktioniert, weil sich die Zellen und die eingesetzte Technik stark ähneln. Deshalb planen sie bereits die nächste Phase, in der schwerhörige Tiere behandelt werden sollen.


Bisher konnten Medikamente, die die Verwüstungen im Innenohr rückgängig machen können, nicht an der Stelle eingesetzt werden, an der sie wirken sollten. Dort gibt es einen ständigen Strom einer Flüssigkeit, die die Wirkstoffe wegschwemmen. „Wir haben herausgefunden, wie wir das Medikament so applizieren können, dass es genau dort seine Heilwirkung entfaltet, an der es nötig ist“, sagt USC-Forscher Charles E. McKenna, der zu den Entwicklern der neuen Therapie gehört.

Die US-Forscher haben einen Medikamentenmix entwickelt, der aus zwei Komponenten besteht. Die erste heißt 7,8-Dihydroxyflavon, auch Vitamin P genannt. Von diesem Präparat ist bisher bekannt, dass es das Absterben von Nervenzellen verhindert, die Bewegungen steuern. Das zweite Präparat aus der Gruppe der Bisphosphonate wird normalerweise bei Knochen– und Calciumstoffwechselkrankheiten verabreicht. Es verhindert, dass der erste Wirkstoff weggeschwemmt wird, sodass er seine heilbringende Wirkung voll entfalten kann.


Um keine voreiligen Hoffnungen bei Schwerhörigen oder gar Tauben zu wecken wiegeln die Forscher eher ab. „Wir sagen nicht, dass unser Präparat ein Heilmittel für Schwerhörigkeit ist“, sagt McKenna. „Doch wir konnten zeigen, dass unsere Herangehensweise äußerst vielversprechend ist.“

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