Die Hanfpflanze erfreut sich bei vielen Konsumenten vor allem aufgrund der berauschenden Wirkung großer Beliebtheit. In den allermeisten Staaten ist der private Anbau daher noch immer verboten. Die Wirkstoffe der Pflanze – die sogenannten Cannabinoide – werden aber auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt. So kann damit der Appetit von Aids-Patienten angeregt oder die Übelkeit während einer Chemotherapie gelindert werden. Doch diese medizinische Nutzung sieht sich mit zwei Problemen konfrontiert. Zum einen ist der Anbau der Pflanzen in vielen Ländern streng reglementiert. Zum anderen ist die Produktion der gewünschten Cannabinoide von Pflanze zu Pflanze sehr schwankend. Forscher haben daher nun einen anderen Weg beschritten und ließen gentechnisch veränderte Bierhefe die gewünschten Wirkstoffe produzieren.


Selbst künstliche Cannabinoide können erzeugt werden

Vereinfacht ausgedrückt wurden dazu Genstämme der Hanfpflanze in die Zellen der Bierhefe eingesetzt. Letztlich entwickelte sich dann eine Produktionskette: Aus Galaktose wurde zunächst Olivetolsäure, dann Cannabigerolsäure und schließlich Tetrahydrocannabinol oder Cannabidiol. Der Clou: Je nach Art der Genveränderung kann die Menge und die Art des zu produzierenden Cannabinoids verändert werden. Insgesamt gewannen die Forscher auf diese Weise mehr als fünfzig Hefestämme mit jeweils unterschiedlicher Produktion. Zudem ist es den Forschern auch gelungen, künstliche Cannabinoide zu erzeugen. Indem zum Beispiel statt Fruchtzucker Fettsäuren genutzt wurden, konnten Cannabinoide erzeugt werden, die in der natürlichen Hanfpflanze gar nicht vorkommen. Nun soll geschaut werden, ob und wie sich hier eine medizinische Nutzung realisieren lässt.


Auch Insulin und Opiate lassen sich in Hefe produzieren

Die Gewinnung von Cannabinoiden aus Bierhefe bringt zudem noch einen weiteren großen Vorteil mit sich: Sie ist deutlich umweltfreundlicher als der klassische Anbau von Pflanzen. Denn dafür werden große Mengen an Dünger, Wasser und Energie benötigt. Bei der gezielten Produktion mithilfe der Hefe ist der Ressourcenverbrauch hingegen deutlich geringer. Die zugrunde liegende Idee ist allerdings nicht ganz neu. Denn schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass sich bestimmte Wirkstoffe vergleichsweise einfach mithilfe von Hefepilzen herstellen lassen. So haben Forscher auf diese Weise auch schon Insulin, verschiedene Opiate und sogar Wachstumshormone produziert. Das Ziel dürfte jeweils das selbe gewesen sein: Es sollen neue und kostengünstige Medikamente auf den Markt gebracht werden. Wann das erste Cannabis-Präparat aus Hefe erhältlich sein wird, steht aber noch nicht fest.

Via: New Atlas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.