Besonders in trockenen Regionen sind Meerwasserentsalzungsanlagen von großer Bedeutung. Rund 16.000 dieser Anlagen verrichten weltweit ihren Dienst und versorgen die Bevölkerung mit wichtigem Trinkwasser. Allerdings haben diese Anlagen Nachteile. Unter anderem warnt die UN vor Giftstoffen, die bei der Entsalzung anfallen.


Ozean
Foto: The Atlantic Ocean, Milan Boers, Flickr, CC BY-SA 2.0

Meerwasserentsalzung: Es fällt mehr Sole an als gedacht

In Regionen mit Wasserknappheit sind die Menschen oft auf Entsalzungsanlagen angewiesen. Zwischen 1,5 und 2 Milliarden Menschen weltweit leben in Gebieten mit Wassermangel, in denen die verfügbaren Ressourcen zumindest in Teilen des Jahres nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. In diesen Gegenden sind Meerwasserentsalzungsanlagen unverzichtbar.

Ein von der UN unterstütztes internationales Forscherteam fand nun heraus, dass bei der Entsalzung von Meerwasser deutlich mehr problematische Rückstände im Wasser verbleiben, als bisher angenommen wurde. Die Forscher gehen davon aus, dass die Menge an umweltschädlicher, mit Chemikalien belasteter Salzlauge etwa 50 Prozent höher sei, als bisher bekannt ist. Daher sei es unbedingt nötig, neue Verfahren zu entwickeln, um die Kosten der Entsorgung sowie die Belastung für die Umwelt zu senken.


Die Forscher haben für ihre Studie die Anzahl der weltweit betriebenen Entsalzungsanlagen ermittelt und dann geprüft, wie viel Trinkwasser die einzelnen Anlagen produzieren und wie viel Rückstände dabei anfallen. Weltweit sind nach den Daten des Team 15 906 Entsalzungsanlagen in 177 Ländern in Betrieb. Diese produzieren jeden Tag 95 Millionen Kubikmeter Süßwasser. Etwa 50 Prozent dieser Anlagen werden im Mittleren Osten und in Nordafrika betrieben. In Westeuropa sind die meisten Anlagen in Spanien lokalisiert.

Weltweit fallen durch die Anlagen 142 Millionen Kubikmeter Sole an, was etwa 50 Prozent mehr ist, als vermutet wurde.

Wiedergewinnung von Metallen bietet wirtschaftliche Möglichkeiten

Die anfallende Salzlösung hat einen deutlich höheren Salzgehalt als normales Meerwasser und enthält Chemikalien und gelöste Metalle. Diese werden dem Salzwasser zugesetzt und sollen etwa eine Verstopfung oder Beschädigung der Anlagen verhindern. Zu den problematischen Beimengungen gehören etwa Kupfer und Chlor.

Die Entsorgung der Sole ist von dem Standort der jeweiligen Anlage abhängig. Nicht selten wird sie einfach zurück ins Meer oder in andere Gewässer geleitet. Auch die Entsorgung in Tiefbrunnen, Abflusskanälen oder sogenannten Soleteichen ist an der Tagesordnung. Je nach Entsorgungsart könne es zu erheblichen Schäden für die umliegenden Ökosysteme kommen, so die Forscher: „ Ein hoher Salzgehalt und verminderter Gelöst-Sauerstoffgehalt kann erhebliche Auswirkungen auf die Lebewesen im Gewässer haben; die resultierenden ökologischen Effekte können über die gesamte Nahrungskette hinweg sichtbar werden.

Eine bessere Entsorgung böte auch wirtschaftliches Potential, so das Team weiter. Denn in der Sole sind Metalle wie Magnesium, Natrium, Calcium, Kalium, Brom und Lithium enthalten, die von der Industrie wiedergewonnen und verwendet werden könnten. Allerdings fehle es momentan noch an Technologien, die die Rückgewinnung wettbewerbsfähig machen würden. „ Es besteht ein Bedarf, diese Forschung umzusetzen und ein Umweltproblem in eine ökonomische Chance zu verwandeln. Das ist vor allem wichtig in Ländern, die eine große Menge an Sole produzieren mit relativ wenig Effizienz, wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Katar„, so Manzoor Qadir, die an der Studie beteiligt war.

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