Die Szene dürfte den meisten aus zahlreichen Fernsehkrimis bekannt sein: Der ermittelnde Kommissar fragt fast immer gleich zu Beginn der Ermittlungen nach dem genauen Todeszeitpunkt der Leiche. Oftmals kann die Gerichtsmedizin die Frage allerdings nur ungefähr beantworten. Um den Kreis der Verdächtigen einzugrenzen oder die genaue Todesumstände zu rekonstruieren gilt aber: Je genauer der Zeitpunkt bestimmt werden kann, desto besser für die Ermittler. Der Wissenschaftler Roderic Guigó, tätig am „Centre for Genomic Regulation“ in Barcelona, hat daher nun einen komplett neuen Ansatz entwickelt: Er hat die zellulären Veränderungen bei Toten genauer untersucht und auf dieser Basis eine Methode entwickelt, mit der der Todeszeitpunkt deutlich exakter bestimmt werden kann als bisher.


DNA

Ein Algorithmus kann Gewebeproben extrem genau analysieren

Auch nach dem Ableben einer Person setzt der Zellstoffwechsel nicht sofort aus, sondern läuft noch einige Stunden weiter. Allerdings kommt es zu entscheidenden Veränderungen: So steigt etwa das Stresslevel im Blut deutlich an. Außerdem werden verstärkt Proteine gebildet, was theoretisch den Sauerstofftransport verbessern soll – bei einer Leiche aber eher sinnlos ist. Die Leistung von Guigó besteht darin, dass er diese Veränderungen in eine zeitliche Reihenfolge gebracht hat. Ein spezieller Algorithmus ist anhand dieser Daten nun in der Lage, aus den Veränderungen im Zellstoffwechsel abzuleiten, wann der Tod einer Person eingetreten ist. Um diese Fähigkeit zu erhalten, hat der smarte Algorithmus zuvor die Gewebeproben von 399 Toten ausgewertet und daraus seine Schlüsse gezogen.

Das Verfahren bringt noch zwei Nachteile mit sich

Die Fähigkeiten der Software wurden anschließend überprüft, indem sie die Proben von 129 Leichen vorgelegt bekam, bei denen der Todeszeitpunkt bekannt war. Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen: Der Algorithmus konnte tatsächlich den Todeszeitpunkt jeweils sehr genau bestimmen. Allerdings bringt das Verfahren noch zwei nicht zu verachtende Nachteile mit sich: Zum einen können die von dem Algorithmus genannten Daten nicht vor Gericht verwertet werden. Dies lässt sich zukünftig aber vermutlich relativ leicht ändern. Wichtiger daher: Die Bestimmung des genauen Todeszeitpunkts mithilfe der DNA ist nur möglich, wenn der Todeszeitpunkt noch nicht länger als 24 Stunden zurück liegt. Weitere Forschungsarbeit könnte aber auch in diesem Punkt noch zu einer Verbesserung führen.


Via: Nature

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