Vertreter von 183 Staaten haben sich in den vergangenen Wochen in Genf zur UN-Artenschutzkonferenz versammelt. Solche Veranstaltungen sind für Tierschützer immer Chance und Gefahr zugleich. Denn auf der einen Seite gibt es Staaten, die versuchen durch neue Anträge bereits bestehende Schutzvorschriften wieder zu lockern oder gar abzuschaffen. So gab es in diesem Jahr beispielsweise Initiativen, die den Schutz von Elefanten und Nashörnern aufweichen wollten. In diesem Punkt konnte aber bereits recht früh Entwarnung gegeben werden: Beide Anträge wurden mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Stattdessen wurden sogar neue Beschränkungen erlassen. So dürfen wild lebende afrikanische Elefanten zukünftig nicht mehr an Zoos und Zirkusse verkauft werden. Tierschützer sprachen in diesem Punkt von einem „historischen Sieg“.


By M. Disdero (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Der Schutz von Haien ist traditionell besonders umstritten

Die Konferenz weitete den Artenschutz zudem noch einmal kräftig aus. Insgesamt wurden 160 Tier- und Pflanzenarten neu in die Liste der schutzbedürftigen Arten aufgenommen. Am prominentesten dürfte dabei sicherlich die Giraffe sein, die aktuell oft noch als Jagdtrophäe gehandelt wird. Aber auch zahlreiche kleine und weniger bekannte Tiere wurden unter den Schutz der Weltgemeinschaft gestellt. So wurde etwa der Handel mit 18 Hai- und Rochenarten erschwert. Dies stellte einen wichtigen Erfolg dar, weil Haie beim kommerziellen Fischfang eine wichtige Rolle spielen. Dementsprechend hoch ist hier die Gegenwehr einiger Staaten gegen neue Schutzmaßnahmen. Dennoch ist es in den letzten Jahren gelungen, immer mehr Haiarten auf der Liste zu platzieren. Dieser Trend setzte sich nun auch in diesem Jahr in Genf fort. Neben dem Schutz von Tieren hat sich die Konferenz auch mit dem Handel von Tropenhölzern befasst. Dieser soll zukünftig stark eingeschränkt werden.

Der Knackpunkt ist die Implementierung

Betrachtet man rein die Abstimmungen und ihre Ergebnisse war die Artenschutzkonferenz also ein großer Erfolg für den Tierschutz. Für ein abschließendes Fazit ist allerdings die Frage von Bedeutung, inwiefern die beschlossenen Maßnahmen auch tatsächlich umgesetzt werden. Die Organisation WWF beispielsweise fordert bereits seit längerem, dass gegen Staaten, die sich nicht an das Regelwerk halten, Sanktionen verhängt werden sollen. Bisher schreckt die Weltgemeinschaft vor solch drastischen Maßnahmen aber noch zurück. Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife sieht diesen Punkt ebenfalls kritisch, verweist aber auch auf eine wichtige Tatsache: Selbst wenn die Beschlüsse der Artenschutzkonferenz nicht immer vollständig umgesetzt werden können, ist dies immer noch besser als wenn es gar keine Schutzmaßnahmen gäbe.


Via: Zeit

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