Das französische Wort »Merde« klingt so hübsch wie die Töpfe und Möbelstücke des Landwirts Gianantonio Locatelli aussehen: irgendwie urtümlich und doch sehr schmückend. Aber »Merde« bedeutet nichts weiter als »Kot« – und genau daraus bestehen die terrakottaähnlichen Produkte Locatellis. Der dazu passende Gestank wird zum Glück im Verarbeitungsprozess neutralisiert!


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Rustikal und schmückend: Gefäße aus Merdacotta / Foto: Henrik Blomqvist

Mischung aus trockenem Dung, Stroh, Ton und weiteren Abfällen

Was soll man mit 100.000 Kilo Kuh-Output pro Tag anfangen? Gianantonio Locatelli machte sich lange darüber Gedanken, wie er all den Kot nachhaltig verwerten könnte, und erfand dabei ein Material, das Terrakotta ähnelt und sich in kreativer Handarbeit zu allerlei Produkten verarbeiten lässt. Der Name lag nah: Merdacotta sollte der rötliche Rohstoff heißen. Bei der Entwicklung der aushärtbaren Knetmasse half der Architekt Luca Cipelletti, gemeinsam entfernten die beiden Männer im Biogas-Generator das Methan zur Energie-Erzeugung; zurück blieb geruchsloser, trockener Dung. Sie fügten diesem gar nicht mehr so unappetitlichen Naturprodukt noch einige andere Zutaten hinzu, wie zum Beispiel Stroh und ungebrannten Ton. Aber auch weitere Abfallprodukte des Bauernhofs fanden ihren Weg in die Merdacotta, doch diese werden nicht namentlich genannt.

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Behaglichkeit mit Merdacotta-Möbeln! / Foto: Henrik Blomqvist

Aus Kuhmist entstehen Energie und nützliche Alltagsobjekte

Mit Merdacotta lassen sich Böden und Wände verkleiden, aber auch Blumentöpfe und andere Gefäße herstellen. Das Material erweist sich als ziemlich frostresistent, es trotzt dem kalten Wetter sogar besser als Terrakotta. Locatelli kreierte auch einen Nachttisch und einen Hocker aus der Kuhmist-Mischung. Die passendste Idee ist jedoch ohne Frage die Toilette aus Merdacotta, die der Designer als »Behälter aus Mist für Mist« beschreibt. Nach seiner Ansicht besitzt seine Erfindung eine besondere Wärme und Leichtigkeit, die kein anderes Material in diesem Maße aufweist. Inzwischen haben die beiden Erfinder – oder sollte man sie Künstler nennen? – ein »Museo della Merda« auf Locatellis Farm eingerichtet: ein Kot-Museum. Hier können Besucher alles über den Veredelungsprozess des Kuhdungs erfahren. Richtig ernst wird es beim Thema Methangas: Dieses Nebenprodukt der Viehzucht trägt kräftig zum Klimawandel bei. Doch der in Massen anfallende Kuhmist inklusive des Methans kann, wie wir sehen, auch komplett verwertet werden. Dann entstehen sowohl natürliche Energie als auch nützliche Objekte für den Alltag.



Quelle: fastcoexist.com

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