Niemand bekommt so wirklich gerne etwas unter die Haut gespritzt. Selbst Leute, die nicht unter einer Nadel-Phobie leiden, bevorzugen in aller Regel, ihr Medikament als Tablette einzunehmen. Bisher allerdings ist dies in vielen Fällen nicht möglich. Oft baut der Magen den Wirkstoff schon ab, bevor dieser seinen Bestimmungsort erreichen kann. In diesen Fällen ist es bisher unausweichlich das Medikament direkt in die Blutbahn zu spritzen. Forscher des „Massachusetts Institute of Technology“ haben nun einen cleveren Weg gefunden, dieses Problem zu lösen: Eine Tablette mit vielen kleinen Nadeln.


Mikronadeltablette
Mix aus Tablette und Spritze

Der Prototyp der Kapsel ist dabei 2 Zentimeter lang und 1 Zentimeter breit und rundherum mit 5 Millimeter langen Nadeln versehen. Versuche bei Schweinen haben ergeben, dass diese Art von Tablette problemlos geschluckt werden kann und anschließend den Wirkstoff direkt in die Magenschleimhaut injiziert. Bei Tests mit Insulin erwies sich die neue Abgabemethode dabei als deutlich effektiver als die Spritze von außen. Auf den ersten Blick mag es allerdings etwas schmerzhaft klingen, Nadeln – und seien sie noch so klein – in der Magenschleimhaut stecken zu haben. Tatsächlich befinden sich dort aber keine Schmerzrezeptoren – rein technisch kann sich also auch kein Schmerzgefühl einstellen.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten denkbar

Vor allem für Zuckerkranke Menschen würde die neue Tablette eine deutliche Vereinfachung des Alltags darstellen. Aber auch viele Impfungen könnten zukünftig deutlich einfacher ablaufen. Gerade bei kleineren Kindern dürfte die Einnahme einer Tablette deutlich besser ankommen, als die traditionelle Impfung mit der großen Nadelspritze. Langfristig könnten auch Impfkampagnen in Entwicklungsländern von der neu entwickelten Tablettenform profitieren. Bisher ist dabei zumeist eine größere Infrastruktur von Nöten, weil nur Fachkräfte die Spritzen setzen können und eine Vielzahl an Spritzen benötigt wird. Die Vergabe kleiner Tabletten dürfte sich hingegen deutlich einfacher organisieren lassen.


Die Forscher arbeiten zudem bereits an einer Weiterentwicklung des Prototyps. Auf lange Sicht sollen die Nadeln aus abbaubaren Produkten hergestellt werden. Im Magen angekommen, sollen die Nadeln dann, inklusive des Wirkstoffes, von der Tablette abbrechen und sich in der Magenschleimhaut einnisten. Dort geben sie dann – durch den fortschreitenden Abbauprozess der Nadel – nach und nach ihren Wirkstoff ab. Ab wann auch in Deutschland mit der Einnahme von Tabletten mit kleinen Nadeln gerechnet werden muss, ist noch nicht absehbar. Trotz der Erfolge bei den Tierversuchen, muss die Neuentwicklung zunächst noch einige Testreihen mit menschlichen Probanden durchlaufen. Sollte sich die Tablette auch dabei als unbedenklich erweisen, könnte mit dem Aufbau einer Produktionslinie begonnen werden.

Quelle: geek.com

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1 Kommentar

  1. Jan

    2. Oktober 2014 at 19:49

    Klingt für mich wie der ideale Weg um sich innerhalb des Körpers Infektionen einzuhandeln. Immerhin ist das Einsatzgebiet dieser Kapsel Lebensort vieler Völker von Bakterien, die sicherlich nicht auf Abstand bleiben, wenn die Schleimhaut mit dutzenden Löchern versehen wird.

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