Die Erfindung des chemischen Düngers hat dafür gesorgt, dass die Weltbevölkerung immer stärker ansteigen konnte. Doch langfristig könnte dies zum Problem werden. Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln zwischen den Jahren 2005 und 2050 noch einmal verdoppeln wird. Zu viel Einsatz von Dünger hat aber fatale Auswirkungen auf die Natur, das Trinkwasser und das Ökosystem. Eine groß angelegte Studie in China hat sich daher mit der Thematik beschäftigt und einen wichtigen Ansatzpunkt gefunden: Durch maßgeschneiderte Tipps für einzelne Regionen konnte der Düngerverbrauch um immerhin 15 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig stieg aber der Ernteertrag im Schnitt um 11 Prozent. Über die Laufzeit der Studie von zehn Jahren ergaben sich so zusätzliche Gewinne in Höhe von mehr als zwölf Milliarden Dollar.


1.000 Wissenschaftler führten mehr als 13.000 lokale Analysen durch

Konkret schauten sich die Wissenschaftler etwa den Reisanbau im Nordosten Chinas an. Nach einer genaueren Analyse der bisherigen Anbautechnik, rieten sie den Landwirten dann, den Dünger nicht mehr das ganze Jahr über gleich stark zu nutzen, sondern den Einsatz besonders im späten Frühling zu konzentrieren. Dadurch konnte der Einsatz von stickstoffreichem Dünger um ein Fünftel reduziert werden. Gleichzeitig empfahlen die Experten, die einzelnen Planzen näher aneinander anzulegen. Dies trug dann zusätzlich dazu bei, dass der Ernteertrag zunahm. Solche und ähnliche Erfolgsgeschichten konnte die Studie überall in China erzielen. Allerdings wurde dafür auch ein enormer Aufwand betrieben: Insgesamt kostete das Projekt 54 Millionen Dollar, 1.000 Wissenschaftler waren beteiligt und es wurden mehr als 13.000 lokale Untersuchungen durchgeführt.

Handfeste wirtschaftliche Argumente helfen gegen den Dünger

Das Ergebnis kann sich allerdings durchaus sehen lassen und wird von Experten weltweit als Sensation betrachtet. Denn auf diese Weise könnte ein vermeintlicher Widerspruch aufgelöst werden. Bisher galt nämlich: Für den einzelnen Bauern war der Einsatz von Dünger sinnvoll, weil er dadurch seine Ernte steigern konnte. Im Kollektiv sorgten die Landwirte dadurch aber für eine starke Belastung der Umwelt. Die Gretchenfrage war daher: Wie kann man den einzelnen Bauern davon überzeugen, den Einsatz des Düngers zu reduzieren? In China scheint man darauf nun eine Antwort gefunden zu haben: Durch handfeste wirtschaftliche Argumente. Deutschland könnte von einem solchen Ansatz übrigens auch profitieren. Viele Böden hierzulande leiden ebenfalls unter zuviel Stickstoff.


Via: Quartz

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