Die Startups Uber und Airbnb haben bereits jetzt die Wirtschaftswelt revolutioniert. Sie sind die Aushängeschilder der sogenannten „Shared Economy“. Die Besonderheit dabei: Die Unternehmen besitzen keine Ferienwohnungen, Hotels oder Autos, sondern vermitteln diese lediglich – und sind trotzdem wertvoller als viele alteingesessene Firmen. So wurde Airbnb im vergangenen Jahr mit 25,5 Milliarden Dollar bewertet, während der weltweit aktive Marriott-Hotelkonzern lediglich auf eine Marktkapitalisierung von 20,7 Milliarden Dollar kam. Bei solchen Zahlen ist es natürlich kein Wunder, dass zahlreiche neue Startups dem Erfolg von Airbnb und Uber nacheifern. Ein Produkt dieser Entwicklung: Das private Carsharing, das auch in Deutschland immer größere Verbreitung findet.


Bild: Getaway
Bild: Getaway

Diese Anbieter sind bereits auf dem Markt für Carsharing aktiv

Carsharing an sich ist dabei schon ein etwas älterer Trend. Zahlreiche milliardenschwere Konzerne wie die Bahn oder Mercedes haben bereits entsprechende Flotten aufgebaut oder sich an in der Branche aktiven Unternehmen beteiligt. Dabei handelt es sich aber nicht um eine „Shared Economy“ im klassischen Sinne. Denn die Firmen kaufen und besitzen die Autos auch weiterhin und verleihen diese nur an die Kunden. Es ist also ein vergleichsweise aufwendiges und kapitalintensives Verfahren. Anders ist dies bei den Anbietern Drivy Open und Getaway. Diese haben sich zum Ziel gesetzt, Autos von Privatleuten an Privatleute zu vermitteln. Drivy Open ist dabei bereits in mehreren deutschen Städten aktiv, Getaway beginnt heute mit einem Pilotprojekt in Magdeburg.

Ein Berliner Startup löst die Probleme des privaten Carsharing

Das Berliner Startup hat dabei eine ganze Reihe an Lösungen entwickelt, um die klassischen Probleme des privaten Autoverleihs zu umgehen. So arbeitet das Unternehmen mit einer Versicherung zusammen, die sicherstellt, dass etwaige Schäden am Auto fachgerecht reguliert werden. Zudem wird eine Telematik-Einheit in die Elektronik der Autos integriert. Dies ist für die Kunden kostenlos und dauert rund eine Stunde. Sinn der Maßnahme ist es, den Ausleihvorgang zu beschleunigen. Denn anschließend können Kunden das Auto nach der Buchung einfach mit dem Smartphone öffnen und dann losfahren. Das Telematik-Modul zeichnet anschließend zudem die Länge und die Dauer der Fahrt auf.


Das Preismodell unterscheidet sich je nach Anbieter

Getaway-Gründer Edgar Scholler geht davon aus, dass sich in einer Stadt rund einhundert Autobesitzer als Verleiher registrieren müssen, damit das System funktioniert. Sein Plan ist daher vor allem mittelgroße Städte zu bedienen, in denen die klassischen Carsharing-Anbieter wie Car2Go und Flinkster gar nicht aktiv sind. Von diesen Unternehmen unterscheidet sich Getaway zudem auch durch die Kosten für die Anmietung. Diese sind bei den konventionellen Carsharing-Anbietern oftmals so geregelt, dass kurze Fahrten mit klarem Ziel recht günstig sind, während längere Touren schnell auch sehr teuer werden. Getaway wählt hingegen einen anderen Ansatz: Hier legt der private Vermieter einen Kilometerpreis fest und dieser gilt dann unabhängig von der gefahrenen Strecke.

Bild: Drivy
Bild: Drivy

Mehr als die Hälfte der Autobesitzer ist an Carsharing interessiert

Die Voraussetzungen für das Carsharing sind dabei grundsätzlich exzellent. Denn Studien haben ergeben, dass Autos in der Regel am Tag nur für etwa eine Stunde tatsächlich genutzt werden. Den Rest der Zeit stehen sie einfach nur herum. Rund 55 Prozent der Deutschen haben daher in einer Umfrage angegeben, ihr Auto grundsätzlich schon verleihen zu wollen. Bisher fehlte den meisten aber noch der richtige Anbieter, der eine unkomplizierte Abwicklung gewährleistet. Diese Rolle möchte nun das Startup Getaway übernehmen. Ähnliche Pläne hatte auch das Unternehmen Autonetzer – und verwirklicht diese inzwischen unter dem Dach der französischen Marke Drivy Open.

Auch Tesla hat den Markt bereits ins Visier genommen

Die Vorteile des privaten Carsharings sind dabei so einleuchtend, dass dieser Markt nicht mehr nur von Startups in Betracht gezogen wird, sondern auch von weltbekannten Unternehmen. So lancierte Tesla-Chef Elon Musk einst die Idee, die verkauften Teslas könnten gleichzeitig in einen Vermietungspool aufgenommen werden. Auf diese Weise könnten die Käufer dann einen Teil der Kauf- und Unterhaltskosten wieder hereinholen. Wann diese Idee allerdings in die Tat umgesetzt werden wird, ist noch nicht abzusehen. Dennoch bleibt der Markt für privates Carsharing hoch interessant. Airbnb und Uber haben gezeigt, welches Potential in einem solchen Geschäftsmodell steckt. Es bleibt aber abzuwarten, wer den Markt letztlich erobern wird: Ein klassischer Mobilitätsanbieter wie die Bahn oder Mercedes, ein heute noch junges Startup oder ein milliardenschweres Unternehmen aus dem Silicon Valley.

Via: Getaway

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2 Kommentare

  1. Chris Teuber

    8. September 2016 at 12:26

    Die meisten fortschrittsoptimistischen Leute sind so lange für neue digitale Geschäftsmodelle, bis ihr eigener Job durch eine 99-Cent-App ersetzbar wird.

    Sascha Lobo im September 2014

  2. Michael Kammler

    8. September 2016 at 14:27

    Und das ist schon eine Kante her, jaja der Sascha 🙂

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