Forscher und Künstler arbeiten zusammen in Halle an der Saale an einem zukunftsträchtigen Ersatz für synthetische Materialien. Möbel, Verpackungsmaterialien und auch Kleidungsstücke sollen bald aus speziell gezüchteten Pilzen gefertigt werden. Aart van Bezooijen ist Professor für Material- und Technologievermittlung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und experimentiert zusammen mit den beiden Naturwissenschaftlern Antoni Gandia und Filipe Natalio an den nachhaltigen Materialien aus dem Schraubglas.


Pilze
Foto: Pilze; Powerhauer CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Pilze als nachhaltiger Plastikersatz

Der Mix aus Getreide, Wasser und Kaffee dient als Grundlage für die Züchtung der neuen Pilze, aus denen später einmal Möbel, Verpackungen und Kleidungsstücke gefertigt werden sollen. Antoni Gandia zeigt den Studierenden an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule im Rahmen von Werkstatt-Workshops, wie die Pilze gezüchtet werden. Mit einem langen Löffel schöpft er eine braune Masse mit weißen Punkten aus einem Topf. Es handelt sich dabei um die Schwämme, die später einmal Plastik ersetzen sollen.

Pilze bringen viele Vorteile mit sich

Ziel des Projekts mit dem Namen „GROW“ ist es neue Materialien zu entwickeln, die nachhaltig sind. Die speziell gezüchteten Pilze wachsen innerhalb einiger Tage und Wochen in präparierten Gläsern mit einem Loch im Metalldeckel heran. Ab einer gewissen Größe gilt es die Pilze in der Folge richtig zu trocknen. Antoni Gandia zeigt den am Workshop teilnehmenden Studierenden eine rechteckige Platte. Hierbei handelt es sich um das Rohmaterial, bestehend aus den getrockneten Pilzen. Die Platte ist in etwa drei Zentimeter dick und weißlich. Um die Platte herstellen zu können, mussten die Schwämme fünf Tage in einer quaderförmigen Schale wachsen. Die somit gewonnen leichten aber dennoch dichten Pilz-Platten könnten unter anderem Gläser während des Transports schützen und Styropor ersetzen.


Die Pilze haben einen weiteren entscheidenden Vorteil. Im Gegensatz zu synthetischen Kunststoffen benötigen Pilze keine zusätzliche Energie. Zudem können die Pilz-Platten nach dem Gebrauch einfach auf den Kompost geworfen werden, da diese sich komplett zersetzen. Das ist absolut nachhaltig, betont der Biotechniker.

Idee muss noch verbessert werden

Das Produkt hat jedoch bisher auch noch einen Nachteil. Schließlich wird deutlich mehr Zeit benötigt das Rohmaterial herzustellen als bei der Produktion von Kunststoff. Es gilt in Zukunft weiter an der Idee zu arbeiten. Der Ansatz kann sich jedenfalls schon einmal sehen lassen. Das „GROW“-Team arbeitet eifrig daran die Idee schnell weiter zu entwickeln um die Marktreife zu erlangen. Die Workshop-Teilnehmer sind fasziniert von dem Produkt und regen bereits weitere Anwendungsfelder an. Die Design-Studentin Frederike Nelles hielt als Fazit für sich fest, dass aus den Pilzen auch Fasern für Kleidungsstücke hergestellt werden könnten. Mit dieser Idee sorgte die Studentin auch bei Hartmut Spiesecke, dem Sprecher des Bundesverbands Textil und Mode, für Begeisterung. Filipe Natalio regt zudem an, dass aus dem Material auch Stühle hergestellt werden könnten.

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