Bettina Roetzer ist mit Leib und Seele Buchhändlerin. Lange Zeit betrieb sie einen Laden im Münchener Stadtteil Haidhausen. Diesen schließt sie nun, um eine renommierte Buchhandlung in Giesing zu übernehmen. Bei ihrer Bank stand man diesen Plänen allerdings skeptisch gegenüber und verweigerte die notwendigen Kredite. Diese Zurückhaltung ist durchaus verständlich. Denn alleine in den Jahren von 2013 bis 2017 sank die Zahl der verkauften Bücher in Deutschland um 6,4 Millionen Exemplare. Ein nicht unerheblicher Teil des Handels wird zudem inzwischen online abgewickelt. Roetzer mag es aber nicht, über diese Entwicklungen zu klagen. Stattdessen finanzierte sie die Übernahme der Buchhandlung auf besondere Art und Weise: Sie lieh sich das Geld bei Freunden, Bekannten und den eigenen Kunden.


Bild: Johannes Jansson/norden.org [CC BY 2.5 dk (https://creativecommons.org/licenses/by/2.5/dk/deed.en)]

Bis zu 10.000 Euro wurden investiert

Eine klassische Crowdfunding-Kampagne im Internet rief sie dafür aber nichts ins Leben. Stattdessen setzte sie auf reine Mundpropaganda und fand so knapp zwanzig Leute, die bereit waren eine Summe zwischen 500 und 10.000 Euro zu investieren. Die Laufzeiten der Privatkredite liegen bei fünf, acht oder zehn Jahren. Der Clou: Die Darlehen sind mit einem gewissen Prozentsatz verzinst. Diese Zinsen werden aber nicht bar ausgezahlt. Stattdessen erhalten die Geldgeber einen Büchergutschein in der entsprechenden Höhe. Wer also 1.000 Euro investiert und eine Verzinsung von vier Prozent vereinbart hat, bekommt einmal im Jahr einen Gutschein in Höhe von vierzig Euro. Dieser kann in der Buchhandlung in Giesing dann eingelöst werden.

Netflix und Co. bereiten den Buchhändlern Probleme

Für die Inhaberin des Geschäfts hat diese Vorgehensweise zwei große Vorteile. Zum einen belasten die Zinsen so nicht die Barreserven des Unternehmens. Zum anderen profitiert sie davon, dass sie die Bücher zum Einkaufspreis bestellt und dann zum Verkaufspreis mit dem Gutschein verrechnet. Wenn die Kreditgeber ohnehin für die entsprechende Summe Bücher gekauft hätten, entsteht ihnen durch das besondere Zinsmodell aber kein Nachteil. Interessant ist zudem, dass Roetzer gar nicht so sehr die großen Online-Händler als Konkurrenz sieht. Stattdessen setzen ihrer Einschätzung nach vor allem Streamingportale der Branche zu. Denn wer Filme und Serien online schaut, hat schlicht weniger Zeit ein Buch zu lesen.


Via: Süddeutsche Zeitung

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