Sorafenib ist ein Medikament, das das Wachstum von Krenszellen verlangsamt und deren Blutversorgung hemmt. Das verlangsamt das Wachstum des Tumors und lässt ihn im besten Fall absterben. Doch das Präparat kann mehr. Es bekämpft auch Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), das sind Bakterien, die für zahlreiche Todesfälle verantwortlich ist. Ein wirklich wirksames Antibiotikum gegen diesen gefürchteten „Krankenhauskeim“ gibt es nicht mehr. Seinen Beinamen bekam MRSA, weil sich vor allem Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, in Krankenhäusern damit anstecken.


Bild: ANDREAS HEDDERGOTT / TUM

Zehnfache Wirkung nach chemischem Umbau

Sorafenib könnte gewissermaßen in die Bresche springen, doch dessen Effektivität ist bei MRSA zu gering. Ein Wissenschaftlerteam der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig hat das jetzt geändert. Die Forscher bauten das Präparat auf chemischem Weg um, sodass es die zehnfache Wirkung zeigt und tatsächlich zur Bekämpfung von MRSA geeignet zu sein scheint.

Die Forscher nennen es PK 150. Es attackiert die Bakterien auf mehreren Wegen. Zwei davon sind jetzt gründlicher erforscht worden. Es sorgt dafür, dass die Bakterien übermäßig viele Proteine produzieren, die deren Zellwände kontrollieren. Das führt schließlich dazu, dass sie platzen. Gleichzeitig hemmt es den bakteriellen Energiestoffwechsel. Letztlich sterben die Unglücksbringer ab.


Bakterien finden keinen weg, sich zu wehren

In Mäusen war PK 150 sehr wirksam. Was die Forscher zusätzlich freut ist, dass keinerlei Resistenzbildungen zu beobachten waren. MRSA hat demnach keinen Weg gefunden, sich gegen die Attacken zu schützen.

„Die industrielle Entwicklung neuer Antibiotika stockt momentan und hält mit der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen nicht Schritt“, sagt Professor Eva Medina, Leiterin der HZI-Forschungsgruppe Infektionsimmunologie. „Wir brauchen dringend innovative Ansätze, um den Bedarf an neuen Infektionstherapien, die nicht unmittelbar zu erneuter Resistenzbildung führen, zu decken.“ Ein solcher Ansatz ist die Überprüfung von bereits zugelassenen Medikamenten auf ihre antibakterielle Wirkung. Den sind Medina und Professor Stephan Sieber, Professor für organische Chemie an der TUM, gegangen, mit Erfolg offensichtlich. Ehe das Präparat als Antibiotikum zugelassen wird sind noch klinische Studien nötig.

PK 150 hat noch einen Vorteil. Es tötet auch MRSA, die nach einer überstandenen Infektion in eine Art Winterschlaf verfallen und jederzeit wieder aktiv werden können.

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