Der Ansturm war so gewaltig, dass die technische Infrastruktur vorübergehend versagte. Kurz nachdem die Europäische Kommission eine Online-Umfrage zum Thema Zeitumstellung ins Netz gestellt hatte, schmierten die Server ab. Von diesen Anfangsschwierigkeiten abgesehen, war die Befragung aber ein voller Erfolg. Insgesamt 4,6 Millionen Menschen nutzten die Möglichkeit, sich zu der Thematik zu äußern. Inzwischen ist die Umfrage abgeschlossen und das Ergebnis fiel eindeutig aus: Rund 80 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Nun kündigte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker im Interview mit dem ZDF tatsächlich eine Veränderung an. Er will sich für die Einführung einer dauerhaften Sommerzeit einsetzen. Wörtlich sagte er: „Die Menschen wollen das. Wir machen das.“


Die anstehende Europawahl dürfte eine Rolle gespielt haben

Allerdings sind die Zuständigkeiten bei diesem Thema geteilt. So kann die EU-Kommission lediglich die Zeitumstellung an sich abschaffen. Bei welcher Zeitzone die einzelnen Länder sich dann aber einordnen, muss von den jeweiligen nationalen Regierungen entschieden werden. Theoretisch wäre es somit denkbar, dass etwa Deutschland zur Sommerzeit wechselt, Österreich aber bei der alten Normalzeit verbleibt. Für Reisende in Europa könnte dies bedeuten, dass sie zukünftig häufiger beim Grenzübertritt die Uhr umstellen müssen. Dennoch hat die EU-Kommission nun beschlossen, möglichst schnell aktiv zu werden. Dies dürfte auch mit der anstehenden Europawahl zusammenhängen. Die Bürger sollen nicht das Gefühl bekommen, zwar gefragt, aber letztlich nicht erhört zu werden. So gesehen handelt es sich also auch um eine Maßnahme, die Populisten und EU-Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen soll.


Die deutsche Beteiligung war überproportional hoch

Das Vorgehen ist aber nicht unumstritten. Denn die Online-Umfrage entfaltet aus juristischer Sicht keine Bindungswirkung – und zwar aus gutem Grund. So war die Erhebung alles andere als repräsentativ. Tatsächlich nahm nur ein Bruchteil der EU-Bürger teil. Zudem beteiligten sich einige Länder besonders stark. Alleine aus Deutschland kamen drei Millionen Beteiligungen, während der Rest der EU nur 1,6 Millionen Stimmen abgegeben hat. Hinzu kommt: Traditionell sind Leute, die gegen eine bestimmte Sache sind, deutlich aktivistischer. Man könnte die Nicht-Teilnahme an der Online-Umfrage also auch als Zeichen deuten, dass jemand mit der aktuellen Situation ganz zufrieden ist. Trotzdem scheint nun klar zu sein: Die zweimal jährliche Zeitumstellung dürfte bald der Vergangenheit angehören.

Via: ZDF

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1 Kommentar

  1. eisvogel

    3. September 2018 at 12:22

    Ich habe 3 mal versucht meine Stimme abzugeben, jedesmal war der Server überlastet. Mir wurde es zu blöd und hab es dann bleiben lassen. Ich denke, so ging es vielen und die Beteiligung wäre noch um ein vielfaches höher gewesen, wäre die Abstimmung reibungslos abgelaufen. Ich hätte für die dauerhafte Einführung der Normalzeit (Winterzeit) gestimmt.
    Ich fände es aber wichtiger, daß eine einheitliche Zeit europaweit gültig wäre. Man müßte sich noch ansehen,
    welche Zeit vorteilhafter wäre, in Bezug auf den Zeitunterschied von Ländern außerhalb der EU.

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