Eisenbahnen gelten eigentlich als Vorreiter in Sachen Elektro-Mobilität. Zumindest in Deutschland trifft dies aber nur teilweise zu. Denn rund die Hälfte des Streckennetzes ist gar nicht mit Oberleitungen bestückt. Dort verkehren bisher Dieselloks. Diese sind natürlich noch immer umwelt- und klimafreundlicher als Lastwagen oder Busse. Dennoch wäre eigentlich eine weitere Elektrifizierung des Streckennetzes wünschenswert. Oftmals ist dies aber zu teuer oder zu aufwändig. Der französische Konzern Bombardier und die TU Berlin arbeiten daher gemeinsam an einer anderen Lösung: Sie wollen Züge mit einem Akku ausstatten, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn kein Strom über die Oberleitung bezogen werden kann. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) will diese Züge dann auf vier Nebenstrecken rund um Dresden nutzen.


Die ersten Testfahrten sind im September geplant

Die Idee ist erst einmal naheliegend: Solange eine Oberleitung vorhanden ist, lädt der Zug den Akku auf – und verbraucht diese Energie dann, wenn kein Strom mehr direkt aus dem Netz bezogen werden kann. Aus technischer Sicht sind allerdings noch einige Probleme zu lösen. Die ersten Testfahrten sollen dennoch bereits im September stattfinden. Bis die Diesel-Loks allerdings tatsächlich ersetzt werden, dürften noch einige Jahre ins Land ziehen. Aktuell ist geplant, dass die Umstellung auf den vier Strecken des VVO bis zum Jahr 2024 abgeschlossen sein soll. Als Energiespeicher wird das Primove Battery System von Bombardier zum Einsatz kommen. Die Technik wird aktuell auch bereits bei Bussen und Straßenbahnen genutzt. Vier Batterien auf dem Dach des Zuges sollen für eine Kapazität von 300 kWh sorgen.


Die Reichweite soll auf 100 Kilometer erhöht werden

Ähnlich wie bei Elektroautos ist auch hier das Thema Reichweite von entscheidender Bedeutung. Die ersten Testzüge sollen mit einer Akkuladung rund 40 Kilometer weit kommen. Die beteiligten Ingenieure gehen aber davon aus, diesen Wert noch auf etwa 100 Kilometer steigern zu können. Dies wäre dann ausreichend, um die Batteriezüge zumindest auf der Hälfte der nicht elektrifizierten Bahnstrecken in Deutschland sinnvoll nutzen zu können. Voraussetzung ist allerdings, dass die Verkehrsbetriebe auch bereit sind, zusätzliches Geld in die Hand zu nehmen. Bombardier gibt an, dass eine Batterielok um knapp ein Drittel teurer sein wird als die klassische Variante mit Dieselantrieb. Dafür liegen die Energiekosten pro Kilometer allerdings auch rund 35 Cent niedriger.

Via: VVO (PDF)

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