Als 1987 der Kernreaktor in Tschernobyl explodierte, sollten die Räumungsarbeiten auf dem Dach des Reaktors zunächst von ferngesteuerten Fahrzeugen erledigt werden. Schon bald zeigte sich aber, dass diese den widrigen Umständen vor Ort nicht gewachsen waren. Stattdessen kamen schließlich menschliche Arbeitskräfte zum Einsatz, die dabei einer enormen gesundheitlichen Belastung ausgesetzt waren. Auch bei der Atomkatastrophe von Fukushima mehr als zwanzig Jahre später zeigte sich: Roboter waren zwar in einigen Bereichen hilfreich, aber noch lange nicht in der Lage alle notwendigen Arbeiten durchzuführen. Eine Kooperation in Deutschland soll dies zukünftig ändern: Im „Kompetenzzentrum für Robotersysteme in menschenfeindlichen Umgebungen“ haben sich namhafte Forschungseinrichtungen und Firmen aus der Industrie zusammengeschlossen.


Dieser Roboter kann durch unwegsames Gelände laufen und eine Risikoabschätzung vornehmen. Foto: FZI Forschungszentrum Informatik

Künstliche Intelligenz soll für autonome Fähigkeiten sorgen

Das Ziel ist es, Roboter zu entwickeln, die sämtliche Arbeiten in verseuchten Gebieten durchführen können. Damit sind zum einen radioaktiv belastete Regionen gemeint, aber auch Flächen, die mit Chemikalien oder biologischen Kampfstoffen verunreinigt wurden. Aufgabe der menschlichen Fachkräfte wäre es dann nur noch, aus einer Leitstelle in sicherer Entfernung heraus, Anweisungen zu geben. Eine reine Fernsteuerung ist damit aber nicht gemeint. Vielmehr wird künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen, damit die Roboter Aufgaben auch selbstständig erledigen können. Der Sprecher des Kompetenzzentrums, Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Beyerer, verweist allerdings darauf, dass keine humanoiden Roboter und auch keine klassischen Industriemaschinen entwickelt würden. Vielmehr stünden neue Ansätze wie Kletterroboter oder automatisierte Baumaschinen im Fokus. Durch die Partnerschaft mit der Industrie sollen diese dann auch zügig unter realen Bedingungen getestet werden können.

Ein automatisierter Bagger kann verseuchtes Material entfernen

Wie eine solche automatisierte Baumaschine aussehen kann, zeigt eine Entwicklung des Fraunhofer Instituts. Die Ingenieure dort haben einen Bagger entwickelt, der selbstständig auch durch unwegsames Gelände navigieren kann. Zudem ist er in der Lage verseuchtes Material aufzunehmen und an anderer Stelle wieder abzulegen. Basis dieser Fähigkeiten ist eine sogenannte Algorithmen-Toolbox, die auch bei anderen automatisierten Systemen zum Einsatz kommen kann. Gemeinsam mit den Partnern des Kompetenzzentrums soll diese nun weiter entwickelt und zur Anwendung gebracht werden. Gefördert wird die Kooperation auch durch das „Bundesministerium für Bildung und Forschung“. Im Rahmen des Programms „Forschung für zivile Sicherheit“ fließen zwölf Millionen Euro in das Projekt. Zunächst ist die Finanzierung für vier Jahre gesichert, angestrebt wird aber eine langfristige Zusammenarbeit.


Via: Fraunhofer

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