Erblindete Menschen haben es im Alltag nicht leicht. Zwar kann man lernen, sich ohne Augenlicht zu orientieren, aber insbesondere im Straßenverkehr als Fußgänger ist die Orientierung schwierig. Eine neue App soll Blinde bei der Orientierung unterstützen. Ein Algorithmus nutzt die Handykamera, um Hindernisse und freie Wege zu erkennen und den Benutzer gegebenenfalls zu warnen. Die App dient ausdrücklich nicht dazu, die Orientierung mit dem Blindenstock zu ersetzen, sondern soll diese vielmehr unterstützen.


Bild: iXpoint Informationssysteme GmbH / Harald Kucharek

Kein GPS oder Kartenmaterial benötigt

Zusätzlich zu Blindenstock und Blindenhund gibt es bereits einige technische Hilfsmittel, die Blinden die Orientierung im Alltag erleichtern sollen. Dabei handelt es sich jedoch oft um teure Spezialtechnik oder um Systeme, die es nicht über die Testphase hinaus schaffen.

Eine neue App von Informatikstudenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) geht einen anderen Weg und nutzt ein Gerät, das quasi jedem zur Verfügung steht: Das Smartphone. Dafür haben sie sich mit der Softwarefirma iXpoint zusammengetan und die App „Camassia“ entwickelt, die auch schon für iOS zur Verfügung steht.


Die Software kam ursprünglich in einem autonomen Roboterbus zum Einsatz. Dabei wurde der Umstand genutzt, dass Fußwege und Straßen im Grunde eine ganz andere Farbsättigung haben als ihre Umgebung. Dies setzt nun auch die App ein: „Der Nutzer hält das Smartphone in Laufrichtung und sobald die Farbeigenschaften des Weges erfasst sind, kann es losgehen. Das Smartphone muss dabei weder gerade noch besonders ruhig gehalten werden„, erklärt Sebastian Ritterbuch von iXpoint. Das System funktioniert dabei unabhängig von GPS und benötigt nicht einmal elektronisches Kartenmaterial.

Algorithmus zeigt den Weg

Die Handykamera nimmt in der Sekunde 30 Bilder auf, die über den Bewegungssensor begradigt werden. Im Anschluss berechnet der Algorithmus in der App dann den Bereich mit der geringsten Sättigung. Dieser Bereich ist in der Regel ein Fußweg, dem man fplgen kann.

Die Navigation wird dann mit einer Skala aus 24 Tönen realisiert. Dabei bedeuten hohe Töne, dass der Weg links frei ist, tiefe Tönen signalisieren freie Bahn auf der rechten Seite, und ein pulsierender, leiser Ton bedeutet, dass der Nutzer geradeaus gehen kann. Die App wurde mit Hilfe eines selber erblindeten Mitarbeiters entwickelt und ist so genau auf die Zielgruppe angepasst.

Den Blindenstock möchten die Entwickler im Übrigen nicht ersetzen. Stattdessen soll Camassia eine technische Ergänzung darstellen.

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