Beim Verdacht auf eine Blutvergiftung ist Eile geboten. Unbehandelt sterben die Patienten in der Regel innerhalb von 48 Stunden. Ärzte starten daher unmittelbar nach der Diagnose mit einer Breitbandantibiotika-Therapie. Dies ist aber vergleichbar mit einem Schuss mit der Schrotflinte. Die Ärzte müssen schlicht hoffen, dass die Bakterien keine Resistenzen gegen die eingesetzten Wirkstoffe aufweisen. Deutlich zielsicherer wäre es, den Erreger zunächst zu analysieren und dann gezielt die effektivsten Antibiotika einzusetzen. Bisher gab es dabei aber ein Problem: Die Analyse im Labor dauerte mehr als sechzig Stunden. Experten des Fraunhofer-Instituts haben nun aber ein Verfahren entwickelt, bei dem die benötigten Ergebnisse bereits nach neun Stunden verfügbar sind.


© Volker Lannert / Fraunhofer FIT
© Volker Lannert / Fraunhofer FIT

Intelligente Algorithmen beschleunigen das Testverfahren

Dazu haben die Forscher einen so genannten Wachstumsmonitor entwickelt. Dabei werden die Sepsis-Erreger in einer Blutprobe zunächst isoliert und dann einzeln in miniaturisierte Töpfchen gelenkt. Diese enthalten jeweils einen Antibiotikawirkstoff. Nun wird schlicht geschaut, in welchem Töpfchen sich der Erreger weiter ausbreitet und in welchem nicht. Um dabei wertvolle Zeit zu sparen, kommt eine Software mit intelligenten Algorithmen zum Einsatz. Diese analysiert die Größe des Bakterienteppichs und das Verhältnis von lebenden zu abgetöteten Keimen und kann so bereits nach neun Stunden die weitere Entwicklung sicher prognostizieren.

Prototyp wird Anfang Oktober erstmals vorgestellt

Die behandelnden Ärzte können dann den Wirkstoff zum Einsatz bringen, der sich während des Wachstumsmonitors bereits als tauglich erwiesen hat. Die Behandlung besitzt dann eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit, benötigt weniger Zeit und es kommen weniger Antibiotika zum Einsatz. Es wird also nicht mehr die Schrotflinte, sondern das Scharfschützengewehr genutzt. Die Forscher hoffen, auf diese Weise die Zahl der Todesfälle durch Blutvergiftungen erheblich senken zu können: Alleine in Deutschland gab es im vergangenen Jahr 60.000 Blutvergiftungen mit tödlichem Ausgang. Ein erster Prototyp des patentierten Wachstumsmonitors wird Anfang Oktober auf der Fachmesse Biotechnica in Hannover der Öffentlichkeit präsentiert.


Via: Fraunhofer Institut

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.