Jeder fünfte Mensch, der das 80. Lebensjahr überschritten hat, leidet an einer Makuladegeneration. Das sind krankhafte Veränderungen auf der Netzhaut. Betroffene sehen immer schlechter, im schlimmsten Fall erblinden sie. Das Fortschreiten der Krankheit lässt sich durch Medikamente verlangsamen, die direkt ins Auge gespritzt werden müssen, und das alle vier bis sechs Wochen. Das schaffen nur ausgewiesene Spezialisten. Allein in der Schweiz, so Wissenschaftler an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, werden pro Jahr 100.000 Spritzen dieser Arts gesetzt.


 


Elektromechanische Helfer ersetzen Ärzte

Künftig haben die oft überlasteten speziell ausgebildeten Ärzte elektromechanische Helfer. Ophthorobotics, eine Ausgründung aus der ETH, entwickelt einenPrototypenweiter, der am Multiscale Robotic Lab der ETH und Ärzten des Triemlispitals in Zürich auf den Weg gebracht worden ist. „Unser Roboter wird der erste sein, der für Augeninjektionen eingesetzt werden kann“, sagt Franziska Ullrich, Maschinenbauingenieurin an der ETH und CEO von Ophthorobotics.

Das mobile Gerät wird oberhalb des Kopfes des liegenden Patienten platziert. Zwei Kameras erstellen ein dreidimensionales Bild des Auges, in das die Spritze stechen soll. Der angeschlossene Computer ermittelt die Einstichstelle und platziert den Roboterarm mit der Spritze, sodass diese präzise trifft. Ein Arzt überwacht die Aktion des Roboters an seinem Monitor. Wenn alles stimmt startet er die Injektion per Knopfdruck.

Eingriff präziser und sicherer

„Mit dem Roboter wird der Eingriff präziser und sicherer“, sagtUllrich. Auch speziell ausgebildeten Ärzte geht das Spritzen ins Auge nicht einfach so von der Hand, denn die Einstichstelle ist winzig: Ein sehr schmaler Streifen zwischen Iris und äußerem Augenwinkel. Außerdem muss er höllisch aufpassen, denn wenn der Patient kurz vor dem Einstich sein Auge bewegt geht die Aktion schief. Der Roboter dagegen wird im Bruchteil einer Sekunde angehalten, wenn die Kameras unmittelbar vor dem Einstich eine Bewegung melden. „Er kann schneller reagieren als wir Ärzte“, sagt Professor Stephan Michels, Stellvertretender Chefarzt der Augenklinik des Zürcher Stadtspitals Triemli, der täglich bis zu 60 Injektionen schafft.

Umfrage: Keine Angst vor dem Roboter

Außerdem weiß das System, in welches Auge gespritzt werden muss, wie hoch die Dosis ist und sogar die genaue Einstichstelle. Bei der nächsten Behandlung wählt er eine andere, denn zu viele Einstiche an der gleichen Stelle schädigen das Auge zusätzlich.

Dass die Patienten die Behandlung durch den Roboter ablehnen befürchtet Ullrich nicht. Von 15 Befragten, die in der Triemliklinik behandelt werden, sagten 15, sie würden sich vom Roboter spritzen lassen. „Wir waren überrascht davon, wie positiv die Befragten reagiert haben“, sagt Ullrich.

 

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