In den letzten Monaten haben sich die Rollen in der Weltpolitik auf merkwürdige Weise verändert. Während US-Präsident Donald Trump vermehrt auf Strafzölle setzt und auch einen weltweiten Handelskrieg in Kauf nimmt, konnte sich die chinesische Regierung als Verteidiger des freien Welthandels präsentieren. Die Europäische Union wiederum verweist ebenfalls auf die schädlichen Folgen eines Handelskriegs – ist aber auch nicht mit allen chinesischen Praktiken einverstanden. So wird bereits seit einiger Zeit der Markt für Elektrofahrräder unter die Lupe genommen. Der Verdacht: Viele asiatische Hersteller verkaufen ihre Produkte zu nicht kostendeckenden Preisen – und verschaffen sich so einen Vorteil gegenüber der europäischen Konkurrenz. Nun wurde die Untersuchung abgeschlossen. Das Ergebnis: Auf die Importe verschiedener Firmen werden Strafzölle zwischen 21,8 Prozent und 83,6 Prozent erhoben.


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Strafzölle auf Solarmodule erwiesen sich als wenig effektiv

Tatsächlich konnten die chinesischen Firmen in den letzten Jahren ihren Marktanteil in Europa deutlich ausbauen. So verdreifachte er sich in den Jahren 2014 bis 2017 und liegt aktuell bei 35 Prozent. Grundsätzlich ist dies kein großes Problem – bei vielen Produkten dürfte der Wert noch deutlich höher liegen. Die Europäische Kommission kam nun allerdings zu dem Schluss, dass diese Zugewinne zumindest teilweise durch unlautere Praktiken erreicht werden konnten. Daher wurden nun die Strafzölle inkraft gesetzt, die je nach Hersteller unterschiedlich hoch ausfallen. In der Vergangenheit hatte diese Praxis allerdings nicht immer den gewünschten Erfolg. So wurden vor einiger Zeit Strafzölle auf chinesische Solarmodule eingeführt – unter anderem um das deutsche Unternehmen Solarworld zu schützen. Inzwischen ist der ehemalige Branchenprimus aber gleich zwei Mal in die Insolvenz gerutscht.


Auch europäische Hersteller nutzen asiatische Komponenten

Wie sich die zusätzlichen Zölle auf den Markt für Elektrofahrräder auswirken werden, bleibt also noch abzuwarten. Es ist keineswegs gesagt, dass dadurch der Marktanteil europäischer Hersteller wieder steigen wird. Wobei in der heutigen globalisierten Welt oft nur schwer zu sagen ist, was nun ein europäisches und was ein asiatisches Produkt ist. Denn auch die in Europa produzierten Elektrofahrräder bestehen natürlich zum Großteil aus importierten Komponenten. Klar ist aber: Zunächst einmal dürften die Zölle vor allem bei den günstigen Modellen für einen Preisanstieg sorgen. Aktuell läuft zudem noch eine weitere Untersuchung der Europäischen Kommission. Hier soll geschaut werden, inwieweit die chinesischen Hersteller von unerlaubten staatlichen Hilfen profitiert haben. Ein Ergebnis liegt allerdings noch nicht vor.

Via: EJ Insight

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1 Kommentar

  1. Dirk

    23. Juli 2018 at 15:04

    Also, wenn ich mir jetzt ein günstiges E-Fahrrad kaufen wollte, funkt mir die EU dazwischen, und zwar mit genau der Methode, die bei Trump verwerflich ist. Und die so geförderten Unternehmen gehen trotzdem pleite.
    Was genau war nochmal so toll an diesem vereinten Europa? Also für die Leute die nicht viel Geld haben?

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