Über den gesundheitlichen Schaden, den Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickoxide und ähnliche Stoffe verursachen, wird schon länger debattiert. Öl ins Feuer der Debatte hat kürzlich eine kleine Gruppe deutscher Lungenärzte gegossen, als sie in einem Positionspapier die existierenden Grenzwerte als überzogen darstellten. Eine neue epidemiologische Studie stellt sich dem nun entgegen. Die durch Luftschadstoffe verursachten gesundheitlichen Schäden seien deutlich höher als bisher angenommen, so die Forscher.


Foto: Barcelona smog, Flickr, Rudoni Productions, Flickr, CC BY-SA 2.0

Gefährliche Luftverschutzung

Die Autoren der Studie setzen sich aus Kardiologen, Umweltmedizinern, Epidemiologen und Chemikern der Universität Mainz und des Max-Planck-Instituts für Chemie zusammen. Allein in Europa gäbe es jedes Jahr etwa 800.000 zusätzliche Todesfälle, die auf Luftschadstoffe zurückzuführen seien, so die Wissenschaftler. Weltweit beziffern sie die jährlichen Todesfälle auf etwa 8,8 Millionen.

Um das in ein Verhältnis zu setzen: Es bedeutet, dass durch Luftverschmutzung mehr Menschen sterben als durchs Rauchen, wofür die Weltgesundheitsorganisation 7,2 Millionen zusätzliche Todesfälle jährlich angibt„, so der Mainzer Kardiologe Thomas Münzel, der an der Studie beteiligt war. Statistisch betrachtet resultieren die neuen Zahlen in einer Verringerung der durchschnittlichen Lebenserwartung um etwas mehr als zwei Jahre.


Anders als bisher angenommen seien es nicht Erkrankungen der Atemwege, die für die meisten Todesfälle durch Luftschadstoffe verantwortlich sind. Vielmehr seien es verengte Koronargefäße, die mit 40 Prozent die häufigste Todesursache darstellen. Todesfälle durch Lungenkrebs, Lungenentzündungen und chronisch obstruktive Atemwegserkrankungen machen zusammen ungefähr 20 Prozent aus.

Die Grenzwerte der EU liegen deutlich über denen der WHO

In die Studie flossen zahlreiche Parameter mit ein. Außerdem haben die Forscher die chemischen Prozesse simuliert, die in den verschiedenen Regionen an Land und über dem Meer stattfinden, wenn die Luft mit Schadstoffen reagiert. Die Berechnungen der Forscher ergaben sich dann aus diesen Daten in Kombination mit Informationen zur Bevölkerungsdichte, anderen Risikofaktoren und den lokalen Begebenheiten. Weltweit, so die Forscher, könne man 120 zusätzliche Todesfälle pro 100.000 Einwohner ansetzen. In Europa beträgt diese Quote 133 pro 100.000 Einwohnern, in Deutschland sind es erschreckende 154 von 100.000. „ Die vielen zusätzlichen Todesfälle in Europa ergeben sich aus der Kombination von schlechter Luft und großer Bevölkerungsdichte, was zu einer der höchsten Expositionen in der Welt führt„, so Jos Lelieveld vom MPI.

Besonders gefährlich sind dabei die sogenannten PM-2,5-Partikel. Dabei handelt es sich um Feinstaub mit einer Partikeldichte von 2,5 Mikrometern oder weniger. Diese gelangen auch in die kleinsten Lungenverästelungen und gelten als Hauptursache für Erkrankungen der Atemwege und des Herzkreislaufsystems. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt bezogen auf diese Partikel einen maximalen Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an. In der EU gilt jedoch ein Grenzwert von 25 Mikrogramm, der außerdem regelmäßig überschritten wird. Der Kardiologe Münzel empfiehlt dahingehend, die EU-Grenzwerte auf die der WHO abzusenken.

Gegenmaßnahmen sind zwingend notwendig

Laut Münzel ist die kausale Verbindung zwischen Luftverschmutzung und Leiden des Herzens und der Atemwege klar belegt. „ Die Umweltgifte beschädigen die Blutgefäße durch oxidativen Stress und das begünstigt wiederum Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und erhöhten Blutdruck„, so der Kardiologe.

Es gäbe also genug Gründe, politische Maßnahmen zur Senkung der Luftverschmutzung zu ergreifen. Ganz vorne steht dabei der Wechsel von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien. Durch diesen Schritt könnte die Anzahl der Todesfälle um bis zu 55 Prozent gesenkt werden, so die Forscher. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Luftverschmutzung sind Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Diese tragen in Deutschland zu bis zu 45 Prozent zu der Belastung mit PM-2,5-Partikeln bei.

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