Auf Weltraummissionen wird Urin bereits recycelt, und auch auf der Erde gibt es bereits Systeme, die menschlichen Urin wieder in Trinkwasser verwandeln. Dabei handelt es sich um eine recht offensichtliche Art und Weise, menschliche Ausscheidungen zu recyceln. Eine kreativere Methode wird derzeit zum Beispiel im Vereinigten Königreich getestet, wo es Busse gibt, die menschliche Exkremente als Treibstoff verwenden. Wissenschaftler der University of the West of England haben sich damit beschäftigt, wie man menschlichen Urin noch weiterverwenden kann. Herausgekommen ist eine Toilette, die Urin in elektrische Energie verwandeln kann.


Männeken Piss
Foto: Männeken Piss, Mario Wolf, Flickr, CC BY-SA 2.0

Wie macht man Energie aus Urin?

In einem Anflug von Humor haben die Wissenschaftler den Prototypen vor einer Studenten-Bar aufgestellt. Allerdings verfolgt das Projekt ernsthaftere Ziele, als betrunkenen Studenten zu amüsieren. Die Elektrizität, die das kleine Toilettenhäuschen produziert, wird genutzt, um selbiges zu erleuchten. Mögliche Einsatzgebiete für ein derartiges System wären bspw. Flüchtlingscamps, die nur selten über Elektrizität verfügen. Dort könnten sie die allgemeine Sicherheit erhöhen.

Aber wie funktioniert das System? Das Toilettenhäuschen ist mit mikrobiellen Brennstoffzellen (MFC vom englischen “microbial fuel cells”) ausgestattet, die auf einem mikrobiellen Metabolismus basieren. Die Bakterien in den MFC-Zellen extrahieren Nährstoffe aus dem Urin und produzieren dabei Elektrizität als Nebenprodukt.


“The MFC is in effect a system which taps a portion of that biochemical energy used for microbial growth, and converts that directly into electricity—what we are calling urine-tricity or pee power. This technology is about as green as it gets, as we do not need to utilize fossil fuels and we are effectively using a waste product that will be in plentiful supply”, erklärt der Projektleiter Ioannis Ieropoulos in einer Presseerklärung.

Hinzu kommt, dass die mikrobiellen Brennstoffzellen extrem günstig sind. Eine einzelne Einheit kostet in der Produktion etwa 1,40 €. Ein Toilettenhäuschen nach Art des Prototyps kostet in etwa 850 €. Der Prototyp wurde nach dem Vorbild von Toilettenhäuschen entworfen, die die Organisation Oxfam in Flüchtlingscamps verwendet. Wenn die Versuchsphase mit dem Prototyp erfolgreich verläuft, können ähnliche Einheiten hoffentlich bald dort eingesetzt werden, wo sie wirklich benötigt werden.

Das Erzeugen von Energie durch Recycling ist ein Thema, dass für die Menschheit von entscheidender Bedeutung ist, weswegen es zahllose Projekte in diesem Bereich gibt. Prominente Beispiele sind etwa der „Energy Tower“ in Dänemark oder die Produktion von Biotreibstoff durch Algen.

Das Projekt im Video

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