Die Entsorgung von Abwasser funktioniert für die Verbraucher in Deutschland denkbar einfach: Es wird über das Kanalsystem in die nächste Kläranlage geleitet. Dort wird daraus wieder nutzbares Frischwasser. Zurück bleibt allerdings jede Menge Klärschlamm. Lange Zeit wurde dieser schlicht in der Natur entsorgt. Teilweise wurden damit alte Tagebaugruben aufgefüllt. Oder der Schlamm wurde schlicht als Dünger auf Äckern ausgebracht. Beides ist seit dem Jahr 2017 aber kaum noch möglich. Denn um die Belastung der Böden zu senken, traten damals neue Umweltvorschriften in Kraft. Viele Betreiber von Kläranlagen wechselten daher die Entsorgungsweise und ließen das Abfallprodukt in Müllverbrennungsanlagen oder Kohlekraftwerken mit verbrennen. Doch auch damit dürfte es zukünftig größtenteils vorbei sein.


Von Louis-F. Stahl, CC BY-SA 3.0 de, Link
Bild: Louis-F. Stahl, CC BY-SA 3.0 de, Link

Die Trocknung des Schlamms kann weiter optimiert werden

Denn ab dem Jahr 2029 sollen die Kläranlagen verpflichtet werden, den wertvollen Rohstoff Phosphor aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen. Dies ist aus technischer Sicht aber gar nicht so einfach. Am einfachsten zu realisieren ist es, wenn ausschließlich Klärschlamm verbrannt wird. Doch noch existieren bei weitem nicht genügend entsprechende Anlagen. Von den jährlich in Deutschland anfallenden 1,7 Millionen Tonnen Klärschlamm kann daher ein nicht unerheblicher Teil aktuell nicht entsorgt werden. Die Betreiber versuchen deshalb mit unterschiedlichen Methoden, die Menge zu reduzieren. Im Zentrum der Bemühungen steht dabei der Trocknungsprozess. Denn je mehr Wasser dem Schlamm entweichen kann, desto leichter wird dieser. Dadurch wiederum reduzieren sich die Entsorgungskosten, die nach Gewicht abgerechnet werden.

Die Kosten für die Entsorgung haben sich fast verdreifacht

Teilweise wird daher automatisiert die Oberfläche aufgebrochen, damit regelmäßig Wasserdampf entweichen kann. Zahlreiche Firmen bieten zudem Lösungen für eine intelligente Klärschlammtrocknung an. Die Nachfrage wird vor allem von steigenden Entsorgungspreisen getrieben. Denn während früher rund 60 Euro pro Tonne bezahlt werden mussten, sind es inzwischen rund 170 Euro. Einige Betreiber haben daher schon über einen Export ins Ausland nachgedacht. Doch anders als etwa beim Plastikmüll gibt es dafür strenge Vorschriften. So haftet das deutsche Klärwerk auch nach dem Export weiterhin für die korrekte Entsorgung des Klärschlamms. Außerdem sind die Genehmigungsverfahren sehr aufwändig. Deutschland muss also selbst eine Lösung finden, um die Abfälle der Kläranlagen los zu werden. Aktuell wird daher der Bau von 25 neuen spezialisierten Verbrennungsanlagen geplant.


Via: Wiwo

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