Acht Jahre, bevor die gefürchtete Demenzerkrankung Alzheimer ausbricht, lässt sich die Veranlagung dazu mit einem einfachen Bluttest nachweisen. Das haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum (RUB), des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Krebsregisters Saarland in einer mehrjährigen Studie bewiesen. Der Test ist allerdings noch nicht völlig ausgereift. Er liefert noch zu oft falsch positive Ergebnisse, stuft also Probanden, die nicht an Alzheimererkranken, als gefährdet ein.


Gehirn
Foto: CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Falsch gefaltetes Protein als Ursache

Der Test „eröffnet die Möglichkeit, in einem kostengünstigen und minimal-invasiven Screening Personen herauszufiltern, die sich dann einer weiterführenden teuren und invasiven Diagnose unterziehen sollten, die ein falsch positives Ergebnis ausschließen kann“, sagt RUB-Professor Klaus Gerwert, dessen Team maßgeblich an der Entwicklung des Bluttests beteiligt war. Bisher wird die Erkrankung in den meisten Fällen erst dann diagnostiziert, wenn es die ersten Symptome wie Vergesslichkeit gibt. Für vorbeugende Maßnahmen ist es dann zu spät, weil das Gehirn bereits massiv geschädigt ist.

Bei der Alzheimer-Erkrankung kommt es zu einer fehlerhaften Faltung des Amyloid-Beta-Proteins. Die Zahl der Missbildungen nimmt ständig zu. Es beginnt bereits 15 bis 20 Jahre vor Ausbruch der Krankheit. Die Fehlfaltungen verklumpen und lagern sich als Plaques im Gehirn ab. Der Test ermittelt das Verhältnis von korrekt und fehlerhaft gefalteten Amyloid-Beta-Proteinen. Das geschieht mit Hilfe von Infrarotlicht. Die gesunden und krankhaften Proteine absorbieren unterschiedliche Frequenzen des Lichts, sodass sie voneinander unterschieden werden können.


Vorsorge ist derzeit nicht möglich

Zunächst prüften die Forscher den Test an Patienten, die an einem Vorstadium (Mild Cognitive Impaired, MCI) der Alzheimer-Krankheit mit nicht eindeutigen kognitiven Beeinträchtigungen litten. Sie waren an der Lund University in Schweden erfasst worden. Sie verglichen die Ergebnisse der Bluttests mit Diagnosen auf Grund von bildgebenden Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und stellten eine große Übereinstimmung fest. PET ist wegen der hohen Kosten für routinemäßige Alzheimer-Vorsorgeuntersuchungen ungeeignet.

Vor 18 Jahren begann dann der zweite Teil der Untersuchung. Regelmäßig wurden im Saarland ältere Menschen getestet. 65 davon erkrankten im Laufe der Studie an Alzheimer. Die Bluttests hatten das Risiko im Durchschnitt acht Jahre zuvor bereits angezeigt.

 

via Ruhr Universität Bochum

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