Für Wetterforscher stellen Naturkatastrophen eine besondere Herausforderung dar. Liegt der Wetterdienst bei der normalen Vorhersage daneben – und es regnet anstelle von Sonnenschein – mag dies ärgerlich sein, hat aber keine langfristigen Auswirkungen. Ein nicht erkanntes Unwetter hingegen kann fatale Folgen haben. Umgekehrt gilt aber auch: Eine Unwetterwarnung, die sich als falsch herausstellt, ist ebenfalls problematisch. Denn dadurch sinkt die Wachsamkeit der potentiell Betroffenen bei der nächsten Warnung. Die Unwetterforscher wandeln also immer auf einem schmalen Grat. Kein Wunder, dass sie sich dabei nicht mehr auf den klassischen Wetterfrosch verlassen wollen, sondern Computerprogramme zu Hilfe nehmen.Natur


Der „National Weather Service“ der Vereinigten Staaten hat daher nun ein neu entwickeltes Prognoseprogramm in Betrieb genommen, das die Genauigkeit der Vorhersagen massiv erhöhen soll. Das „High-Resolution Rapid Refresh“ genannte Programm ist in der Lage Wirbelstürme, heftige Schneefälle und übermäßigen Starkregen nicht nur frühzeitig zu erkennen, sondern auch deren weiteren Verlauf zu prognostizieren. Diese Fähigkeit ist von Bedeutung, damit in Zukunft die Unwetterwarnungen an weniger Orten verbreitet werden müssen – dort dann aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eintreffen. Neben den Bewohnern am Boden, profitieren davon auch Fluglinien und Piloten, die Unwettern so besser ausweichen können.

 


Computerprogramm führt unzählige Daten zusammen

Zur Wetteranalyse nutzt der Computer dabei verschiedene Quellen, darunter ein 3D-Bild der Atmosphäre, Werte von Wetterstationen auf dem Boden, Daten von Flugzeugen und Bilder des Wetterradars. Das Ergebnis der Berechnungen ist dann eine Wetterkarte, bei der bis auf zwei Meilen genau die Wetterentwicklung prognostiziert wird. In der Praxis wollen die Wetterforscher so in der Lage sein, bis zu 15 Stunden in die Zukunft zu schauen. Dies erscheint auf den ersten Blick recht wenig, bedenkt man, dass der Wetterbericht in der Tagesschau zumeist einen Drei-Tages-Ausblick bietet. Die Treffsicherheit des „High-Resolution Rapid Refresh“ liegt aber auch entscheidend höher.

Für den „National Weather Service“ der USA stellt die Neuentwicklung zudem ein wichtiges Prestigeprojekt dar. Zuletzt nämlich waren die amerikanischen Programme zur Vorhersage von Unwettern in die Kritik geraten. Als der Wirbelsturm Sandy vor ziemlich genau einem Jahr in der Karibik tobte, war es die europäische Wetteragentur, die frühzeitig vor einem Schwenk des Sturms in Richtung amerikanisches Festland warnte. Die amerikanischen Prognosemodelle sahen dies erst deutlich später kommen.

Zudem gab es immer wieder auch technische Probleme: So war die Internetpräsenz des Wetter-Service mehrere Stunden nicht erreichbar, was die Möglichkeit zur Verbreitung von Unwetterwarnungen erheblich einschränkte. Mit dem„High-Resolution Rapid Refresh“ Programm werden jetzt nicht nur genauere Prognosen möglich, sondern auch die restliche technische Ausstattung soll modernisiert werden.

(via)

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