Anders als Menschen mit normaler Gehörfunktion verstehen diejenigen, die Hörgeräte tragen, nur Bahnhof, wenn sie einem Stimmengewirr ausgesetzt sind. Auf Partys etwa sind sie überfordert, weil sie sich nicht auf einen Gesprächspartner oder eine kleine Gruppe konzentrieren können wie normal Hörende. Party-Syndrom nennt sich das Phänomen.


Dänische Forscher wollen hier Abhilfe schaffen. Sie entwickeln ein Hörgerät, das dem Hörzentrum im Gehirn genau die gleichen Signale liefert wie gesunde Ohren. „Dazu benötigen wir zuerst einen genaueren Einblick in das Hörzentrum des Gehirns“, sagt Professor Torsten Dau von der Technischen Universität Dänemark in Lyngby, ein Spezialist für biomedizinisches Ingenieurswesen. „Zudem müssen wir verstehen lernen, wie das Gehirn die Signale der Ohren verarbeitet.“


Gehirn steuert Hörgerät

„Wir alle haben schon während eines Aufenthalts in einer Kantine versucht zu hören, was am Nachbartisch gesprochen wurde“, meint Dau. „Dazu versuchen wir, andere Geräusche auszublenden.“ Ein Hörgerät wisse dagegen nicht, auf welche Geräusche der Träger den Fokus legen will und welche er herausfiltern will. „Meine Vision ist, ein Hörgerät zu entwickeln, das gewissermaßen vom Gehirn gesteuert wird“, sagt Dau. Dazu müssten die Entwicklungsingenieure exzellentes Wissen über die Vorgänge im Gehirn sammeln, die mit dem Hören zusammenhängen. Dann könnte ein mathematisches Modell der entsprechenden Gehirnregion gebaut werden, mit dem man modifizierte und neu entwickelte Hörgeräte testen könnte.

Elektronische Assistenten sorgen für Abhilfe

Früher hatten Hörgeräteträger massive Probleme, am Telefon etwas zu verstehen. Diese sind längst behoben. Vergleichbare elektronische Assistenten könnten in die Hörgeräte eingebaut werden, die es dem Träger beispielsweise ermöglichen, sich auf einen Menschen zu konzentrieren, der sich in einer bestimmten Richtung befindet. Dau und Finn Möhring, beim dänischen Hörgerätehersteller Oticon für Forschung zuständig, glauben, dass die Lösung in einer Fusion von Hörgerät und Smartphone-Headset liegt.

via Technical University of Denmark

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