Italiens Bildungsminister Lorenzo Fioramonti ist selten um deutliche Worte verlegen. So rief er im September die Schüler seines Landes dazu auf, an den weltweiten Schulstreiks für eine bessere Klimapolitik teilzunehmen. Dies brachte im massiven Ärger mit der Opposition ein. Aber auch die eigenen Koalitionspartner schont er nicht. So regierte seine Fünf-Sterne-Partei bis vor wenigen Wochen mit der Lega Nord von Matteo Salvini. Dieser wiederum zog im Frühjahr den menschengemachten Klimawandel in Zweifel, weil er die Heizung in diesem Jahr länger anlassen musste als gewohnt. Trockener Kommentar des Bildungsministers: „Das ist genau die Art von Unsinn, die wir vermeiden wollen, indem wir unsere Kinder richtig unterrichten“. Nun lässt der Politiker seinen Worten tatsächlich Taten folgen.


Auch klassische Schulfächer werden neu ausgerichtet

Denn Fioramonti kündigte nun den wahrscheinlich größten Umbau der italienischen Lehrpläne seit Jahrzehnten an. Auffälligster Punkt der Reform: An den staatlichen Schulen des Landes sollen alle Klassen zukünftig einmal die Woche in einem neu geschaffenen Fach namens „Klimawandel und nachhaltige Entwicklung“ unterrichtet werden. Doch die Pläne des Ministers gehen noch deutlich weiter. Denn auch in anderen Fächern – etwa Geschichte, Erdkunde oder Physik – sollen die Schwerpunkte zukünftig so gelegt werden, dass nachhaltige Themen verstärkt im Fokus stehen. Die überraschend schnelle Einführung der Reform schon zum nächsten Schuljahr begründet der Minister mit den politischen Realitäten: Er will sicherstellen, dass das Thema nach einem möglichen Regierungswechsel nicht einfach wieder in der Schublade verschwindet.


Ab Januar beginnen die Fortbildungen für Lehrer

In der Vergangenheit hatte eine linksgerichtete italienische Regierung beispielsweise ein ambitioniertes Programm aufgelegt, um Schüler besser im Umgang mit gezielten Desinformationen zu schulen. Weil dann allerdings die Lega Nord Teil der Regierung wurde, kam es nie zu einer flächendeckenden Implementierung. Dies soll beim Thema Klimawandel und nachhaltige Entwicklung nun nicht passieren. Deshalb hat der Minister bereits ein Team aus angesehenen internationalen Wissenschaftlern zusammengestellt, das die italienischen Lehrpläne begutachten wird und Anpassungsvorschläge machen soll. Ab Januar werden dann die Lehrer des Landes fortgebildet, damit im September mit der Etablierung des neuen Schulfachs begonnen werden kann. Die notwendige Gesetzgebung für die Reformen wurde bereits verabschiedet.

Via: New York Times

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping
Tags

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.