Die Zahl ist durchaus erschreckend: Pro Minute werden in Deutschland 5.300 Einwegbecher verbraucht. Dies hat zumindest die Deutsche Umwelthilfe errechnet. Auf das ganze Jahr gesehen, kommt so ein gewaltiger Müllberg zusammen. Rein theoretisch bräuchte man acht Millionen 50-Liter-Mülltonnen, um alle Einwegbecher inklusive Deckel einzusammeln. Spätestens seit die Problematik des Plastikmülls in den Weltmeeren verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, schauen sich daher immer mehr Menschen nach Alternativen um. Auch das Bundesumweltministerium empfiehlt grundsätzlich, den Coffe-to-Go im Mehrwegbecher zu transportieren. Einige Hersteller scheinen diese Tatsache aber vor allem für ein schnelles Geschäft nutzen zu wollen – und setzen auf missverständliche Werbebotschaften. Dies legt zumindest eine Untersuchung der Stiftung Warentest nahe.


Kaffee Kraftstoff
Foto: dumping into portafilter, David Joyce, Flickr, CC BY-SA 2.0

Bambusbecher bringen bei Heißgetränken Probleme mit sich

Die Tester dort haben zwölf Mehrwegbecher aus Bambus genauer unter die Lupe genommen. Auf den ersten Blick scheint es sich bei Bambusbechern um eine biologisch abbaubare Alternative zu Produkten aus Plastik zu handeln. Doch die Realität sieht etwas anders aus. Denn die Becher bestehen zwar aus zermahlenen Bambusfasern. Die meisten der getesteten Produkte enthielten aber auch einen Kunststoff: Melaminharz. Dieser bringt grundsätzlich zwei große Probleme mit sich. Zum einen können die Mehrwegbecher dadurch nicht mehr einfach biologisch abgebaut werden – was in Sachen Nachhaltigkeit natürlich ein großer Minuspunkt ist. Außerdem müssen bei Produkten mit Melaminharz bestimmte Gebrauchsanweisungen eingehalten werden. So sollten etwa keine Flüssigkeiten mit einer Temperatur von mehr als 70 Grad Celsius eingefüllt werden – was bei einem Kaffeebecher jetzt nicht besonders realistisch ist. Die Verbraucherzentrale NRW warnt zudem von der Abgabe von Melamin und/oder Formaldehyd an die Lebensmittel. Diese Stoffe lösen sich ebenfalls bei Einfüllen von heißen Getränken in die Bambusbecher. Entgegen der Beobachtungen bei Kunststoffbechern, lässt die Konzetration der Schadstoffe auch nach mehrmaligem Abwaschen nicht nach. Im Gegenteil, je mehr die Oberfläche aufgerauht wird, desto mehr Schadstoffe lösen sich. So wird auch davon abgeraten, die Bambusbecher in der Geschirrspühlmaschine zu reinigen.

Nur ein Becher konnte die Prüfer zufrieden stellen

So ist es kein Wunder, dass die Tester der Stiftung bei mehr als der Hälfte der getesteten Becher einen sehr hohen Kunststoffgehalt in den eingefüllten Getränken nachweisen konnten. Dieser negative Effekt verschwand auch bei einer dauerhaften Benutzung nicht. Dies ist besonders problematisch, weil Melaminharz im Verdacht steht, bestimmte Erkrankungen im Blasen- und Nierenbereich auszulösen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) verweist zudem darauf, dass es nicht der erste Test ist, in dem Bambusbecher extrem schlecht abschnitten. Die Experten fordern daher, ein gesetzliches Verbot von Bambusbechern mit Kunststoffanteil. Stattdessen empfehlen sie auf Alternativen aus Edelstahl, Porzellan oder Polypropylen zu setzen. Nicht unerwähnt bleiben soll allerdings auch, dass einer der getesteten Becher die Anforderungen der Stiftung erfüllen konnte. Der „Chicmic Bamboo Cup“ kostet rund 15 Euro.


Via: Test

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping
Tags

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.